Cavalese (dpa) - So wütend hat man Tobias Angerer wohl noch nie erlebt. Mit deftigen Worten geigte der Vachendorfer Skilangläufer dem Russen Alexander Legkow lautstark die Meinung.

Auf der sechsten und vorletzten Etappe der Tour de Ski hatte Angerer über 15 Kilometer klassisch mit Massenstart auf der WM-Strecke in Val di Fiemme einen Podestplatz vor Augen, als ihm Legkow in die Parade fuhr. Unsportlich wechselte dieser aus der Spur, schob Angerer den Stock zwischen die Beine und nahm ihm damit jede Chance, seine hohe Endgeschwindigkeit zu nutzen. Der Deutsche wurde Sechster hinter Legkow, der zudem die Führung im Gesamtklassement übernahm und nun vor seinem ersten Tour-de-Ski-Sieg steht.

«Ich habe mich bei ihm entschuldigt für die Worte, die ich gewählt habe», sagte Angerer 20 Minuten nach dem Rennen, wirkte aber immer noch aufgewühlt. «Ich hatte die Geschwindigkeit und vor allem den Glauben daran, unter die besten drei zu kommen. Aber Legkows Attacke, die zudem im normalerweise von der Jury geschützten letzten 100-Meter-Korridor erfolgte, hat ein bis zwei Kilometer pro Stunde gekostet», schimpfte der Bayer. Auf einen Protest verzichtete das deutsche Team. «Er ist der Gesamtführende, was soll's», bemerkte Angerer.

Trotz aller misslichen Umstände rückte der Vachendorfer nun auf Platz neun im Tour-Klassement. «Ich denke, ich habe mich während der Etappen aus der Krise gelaufen. Wobei mir in Oberhof, so komisch das klingt, vor allem das Glück gefehlt hat. Die Zeit, die ich dort verloren habe, konnte ich nicht mehr wettmachen», sagte Angerer und hofft nun auf ein versöhnliches Tour-Ende. «Meine Familie und mein Fanclub sind da, das gibt zusätzlichen Auftrieb für den Anstieg zur Alpe Cermis. Mal sehen, wie ich da hochkomme.»

Auch Jens Filbrich hatte ein Negativerlebnis. Der Frankenhainer, der zur Spitzengruppe gehörte, stürzte am letzten Anstieg nach einem Stockbruch. «Ich wollte unbedingt unter die besten zehn und dann so etwas. Momentan geht es mir mental nicht wirklich gut», sagte er zerknirscht.