Frankfurt/Main (dpa) - Die deutschen Aktien haben ohne eindeutige Gründe überwiegend mit leichten Verlusten geschlossen. Der Dax fiel nach freundlichem Verlauf im späten Handel ab und endete 0,16 Prozent tiefer bei 7708,47 Punkten.

Der MDax verlor 0,13 Prozent auf 12 348,40 Punkte. Der TecDax schloss praktisch unverändert bei 875,30 Zählern. Händler taten sich mit Erklärungsversuchen für die Abwärtsbewegung schwer. Einer sagte, dass die zuvor gesehene positive Kursreaktion auf die Aussagen von EZB-Präsident Mario Draghi verwundert habe. Ein anderer nannte als Grund die klare Abwärtsrevision des US-Geschäftsklimas in der Region Philadelphia im Dezember. Zuvor hatten neben den Draghi-Kommentaren auch eine positiv verlaufene Auktion spanischer Anleihen gestützt.

Gegen Mittag hatte die EZB bekanntgegeben, die Leitzinsen unverändert zu lassen. «Die EZB betreibt eine Politik der ruhigen Hand», lobte Analyst Ralf Umlauf von der Helaba und verwies auf die Aussage Draghis, wonach die Zinsentscheidung einstimmig gefallen sei. Händler Andreas Lipkow von MWB Fairtrade sagte: «Die Währungshüter wollen ihr Pulver trocken halten, denn die konjunkturelle Situation im Euroraum ist weiter angespannt.» Wenn nötig, könne die EZB die Zinsen weiter senken.

In der Anlegergunst standen Aktien des Lkw-Herstellers MAN mit einem Plus von rund 3,5 Prozent. Sie profitierten von Plänen des Großaktionärs Volkswagen, einen Beherrschungs- und Gewinnabführungsvertrag mit MAN abzuschließen. Laut einem Händler ist der nächste Schritt nun eine Barabfindung oder Garantiedividende für die Vorzugs- und Stammaktionäre von MAN, was die Aktien nach oben treibe. Die VW-Vorzüge rückten um rund ein Prozent vor.

Die Bankaktien erholten sich weiter, nachdem der Basler Ausschuss für Bankenaufsicht am Sonntag beschlossen hatte, den Geldhäusern weltweit mehr Zeit zum Aufbau ihrer Liquiditätsreserven zu geben. An der Dax-Spitze gewannen Commerzbank-Titel 3,2 Prozent, Papiere der Deutschen Bank stiegen um 1,2 Prozent.

Die ThyssenKrupp-Papiere bauten ihre Vortagesgewinne von knapp drei Prozent aus und stiegen um weitere drei Prozent. Nach der Kapitalerhöhung des Konkurrenten ArcelorMittal steigt laut Händlern die Hoffnung auf einen baldigen Verkauf von Thyssens Stahlwerken in Amerika.

Negative Analystenstudien drückten auf die Aktien von FMC und deren Mutter Fresenius sowie auf die RWE-Titel, die mit Einbußen von jeweils mehr als 1,9 Prozent die hintersten Ränge im Dax einnahmen. Bester Wert im MDax war das Papier des auf die Solarindustrie spezialisierten Chemieunternehmens Wacker Chemie mit einem Kursgewinn von 7,4 Prozent. Die Aktie des Windkraftanlagenherstellers Nordex gewann im TecDax nachrichtenlos mehr als zehn Prozent.

Der EuroStoxx 50 schloss 0,07 Prozent höher bei 2708,27 Punkten. Der Londoner FTSE-Index legte um 0,05 Prozent zu, während der Pariser CAC 40 um 0,39 Prozent nachgab. In New York lag der Dow Jones Industrial zum Handelsschluss in Europa 0,12 Prozent über seinem Vortagesschluss.

Am Rentenmarkt stieg die Umlaufrendite börsennotierter Bundeswertpapiere von 1,21 Prozent am Vortag auf 1,22 Prozent. Der Rentenindex Rex legte leicht um 0,01 Prozent auf 134,07 Punkte zu. Der Bund Future sank um 0,60 Prozent auf 142,68 Punkte. Der Kurs des Euro stieg nach den Draghi-Aussagen deutlich und lag zuletzt bei 1,3214 US-Dollar. Zuvor hatte die Europäische Zentralbank (EZB) den Referenzkurs auf 1,3113 (Mittwoch: 1,3056) Dollar festgesetzt. Der Dollar kostete damit 0,7626 (0,7659) Euro.