Berlin (dpa) - Der Präsident des Kinderschutzbundes, Heinz Hilgers, hat der katholischen Kirche nach dem Stopp des Forschungsprojekts über Kindesmissbrauch den Willen zur Aufklärung abgesprochen.

«Ich habe den Verdacht, dass starke Kräfte in der katholischen Kirche jetzt nach der Methode Vergessen-und-Vergeben arbeiten», sagte Hilgers der «Saarbrücker Zeitung». Der Münsteraner Theologe Klaus Müller vermutet einen Machtkampf unter den Bischöfen hinter dem vorläufigen Scheitern des Projekts.

Insbesondere konservative Geistliche hätten Angst vor den Ergebnissen der umfassenden wissenschaftlichen Untersuchung, sagte der Wissenschaftler vom Exzellenzcluster «Religion und Politik» an der Universität Münster der Nachrichtenagentur dpa. «Es kann nur daran liegen, dass die Seite der Bischöfe, die diese Form der Aufklärung für richtig halten, unter massivem Druck der konservativen Kräfte stehen.»

Die wissenschaftliche Aufarbeitung des Missbrauchsskandals in der Kirche ist nach dem Zerwürfnis zwischen der Kirche und dem Kriminologischen Forschungsinstitut Niedersachsen vorerst gescheitert. Der Leiter des Instituts, Christian Pfeiffer, will das Forschungsprojekt trotzdem fortsetzen - auch ohne Unterstützung der Bischöfe. Die wiederum suchen nun nach einem neuen Projektpartner.

«Für die Opfer ist der Stopp der Studie sehr enttäuschend. Wir werden die Opfer bitten, mit uns weiter zusammen zu arbeiten», bekräftigte Pfeiffer der «Passauer Neuen Presse». Den Bischöfen warf er versuchte Zensur vor: «Die katholische Kirche wollte offenbar ein Gutachten ganz nach ihrem Geschmack.» Die Hauptwiderstände seien aus der Diözese München und Freising gekommen, in der Papst Benedikt XVI. einst Erzbischof war. Es gebe aber keine Hinweise darauf, dass dieser Zusammenhang eine Erklärung sein könnte.

Die Deutsche Bischofskonferenz will sich nun einen neuen wissenschaftlichen Partner suchen. Sprecher Matthias Kopp nannte den Vorwurf der Zensur im «Mannheimer Morgen» absurd: «Der Wechsel des Projektpartners, den wir jetzt vollziehen, hat ausschließlich persönliche Gründe im Zerwürfnis mit dem Projektleiter.» Das Vertrauensverhältnis mit Pfeiffer sei «zerrüttet», dieser habe «eine nicht akzeptable Kommunikation an den Tag gelegt».

Kopp verwahrte sich auch gegen den Vorwurf, die Aufarbeitung sei an kirchlichem Widerstand gescheitert. «Es gibt kein Bistum, das aus dem Projekt ausgestiegen ist», sagte er. Das Ja zur Untersuchung der Missbrauchsfälle falle überall in der Kirche gleich stark aus. Zu Pfeiffers Vorwurf, einzelne Bistümer hätten Akten vernichtet, sagte Kopp: «Uns liegen dazu keine Hinweise vor.»