Berlin (dpa) - FDP-Chef Philipp Rösler setzt trotz des bundesweiten Zwei-Prozent-Umfragetiefs für die Liberalen in Niedersachsen auf einen Sieg von Schwarz-Gelb. Er könne keine Wechselstimmung für Rot-Grün erkennen, sagte Rösler der «Neuen Osnabrücker Zeitung» (Donnerstag).

Die FDP hofft, dass viele CDU-Wähler am 20. Januar ihre Zweitstimme den Liberalen geben, damit David McAllister (CDU) Ministerpräsident bleibt. «Klar ist aber auch: Jede Partei kämpft für sich», betonte Rösler.

In einer neuen Umfrage holt die FDP in Niedersachsen weiter auf. Im ZDF-Politbarometer hat sie um einen Punkt zugelegt und erreicht erstmals seit langem wieder fünf Prozent. Erwartet wird nun ein Kopf-an-Rennen zwischen Rot-Grün und Schwarz-Gelb. Bereits in einer Infratest-dimap-Umfrage vor einigen Tagen hatte sie sich um einen Punkt auf dort noch vier Prozent verbessert.

Fliegt die FDP aus dem Landtag in Hannover, wird intern Röslers Rücktritt erwartet. Bei über fünf Prozent will der Vizekanzler dem Vernehmen nach kämpfen.

Der 39-jährige Bundeswirtschaftsminister ließ erneut offen, ob er beim nächsten Parteitag wieder für den Vorsitz antritt. «Über die Frage, ob ich als FDP-Vorsitzender wieder kandidiere, ist heute nicht zu entscheiden.» Als möglicher Nachfolger wird Bundestagsfraktionschef Rainer Brüderle gehandelt. Rösler und Brüderle wollten am Donnerstagabend gemeinsam im Landtagswahlkampf in Bissendorf bei Osnabrück auftreten.

Rösler warf seinen Kritikern vor, der Partei zu schaden. Er müsse sich nicht jeden Schuh anziehen, sagte er mit Blick auf die heftige Kritik, die Entwicklungsminister Dirk Niebel beim Dreikönigstreffen öffentlich an ihm geäußert hatte. «Die deutlich ablehnende Reaktion der gesamten Partei auf Niebel spricht eine klare Sprache. Dem muss ich nichts hinzufügen, ich muss aber auch nichts vergessen.»

Die Bundes-FDP war im Wahltrend von «Stern» und RTL bundesweit von vier auf zwei Prozent abgestürzt - offensichtlich die Quittung für die seit Wochen anhaltende Führungsdebatte um Rösler.

Die FDP-Spitzenkandidatin in Sachsen-Anhalt, Cornelia Pieper, forderte die Partei auf, sich auf ihre Stammwähler zu konzentrieren. «Wir sind die Partei des Handwerks und Mittelstandes und nicht zuerst der Konzerne», sagte sie der «Magdeburger Volksstimme». Der für Mai geplante Parteitag solle vorgezogen werden.