Ruhpolding (SID) - Wolfgang Pichler, deutscher Trainer der russischen Biathletinnen, hat am Rande des Weltcups in seiner Heimatstadt Ruhpolding die unausgewogene Berichterstattung über Russland und dessen Präsidenten Wladmir Putin kritisiert. "Was der Putin wahrscheinlich bräuchte, wäre ein guter PR-Berater. Der macht auch schon gute Sachen", sagte Pichler im Gespräch mit der Tageszeitung Die Welt. "In Russland gibt es schon eine Art Demokratie, sie ist nur anders als bei uns. Wir müssen fair bleiben, bei uns wird viel zu einseitig berichtet, aber so richtig einseitig", sagte der 57-Jährige.

Pichler arbeitet seit dem Frühjar 2011 in Russland und soll die Biathletinnen für die Winterspiele 2014 in Sotschi in Form bringen. Trotz aller Erfolge - am Mittwoch belegte die russische Mannschaft im Staffelwettbewerb hinter Norwegen immerhin den zweiten Platz - hat Pichler dabei allerdings mit Widerständen zu kämpfen. "Dass ich der erste ausländische Biathlontrainer bin, passt vielen überhaupt nicht, gerade den Alteingesessenen", sagte er.

Hinzu kommt eine ungeheure Erwartungshaltung im Land des Olympiagastgebers. "In Schweden waren die Leute schon mit einem vierten Platz zufrieden, bei den Russen zählt nur der Sieg. Die erwarten einen Sieg nach dem anderen", sagte Pichler. Der Bayer hatte vor seinem Engagement in Russland 16 Jahre in Schweden gearbeit. Unter seiner Führung holte Anna Carin Zidek, geborene Olofsson, 2006 in Turin die olympische Goldmedaille im Massenstart.

"In Deutschland machen die Medien den Druck, in Russland sind es die Minister aus der Regierung", sagte Pichler, der noch nicht weiß, wie es mit ihm nach den Winterspielen 2014 weitergeht: "Ich kann nicht sagen, was nach Sotschi kommt. Vielleicht mag ich dann einfach mal meine Ruhe haben."

Eines steht für Pichler allerdings fest: Anders als der französische Schauspieler Gerard Depardieu wird er niemals die russische Staatsbürgerschaft annehmen. "Ich bin Ruhpoldinger und bleibe Ruhpoldinger. Ich bleib bayerisch", sagte Pichler.