Adelaide (SID) - Die weltweit mit Spannung erwartete Dopingbeichte des ehemaligen Radstars Lance Armstrong ist von den deutschen Profis mit gemischten Gefühlen aufgenommen worden. Im Vorfeld der Tour Down Under (20. bis 27. Januar) in Australien, die den Beginn der Radsport-Saison markiert, zeigte sich Deutschlands Topsprinter André Greipel wenig überrascht von den Inhalten der Beichte des US-Amerikaners bei Talkmasterin Oprah Winfrey.

"Ich habe keine Minute davon gesehen. Er hat das gesagt, was alle schon wussten. Wenn keine anderen Namen fallen, ist es einfach eine Show, was dort gemacht wurde", sagte der 30-Jährige. Andere deutsche Fahrer räumten dem Geständnis dagegen mehr Bedeutung ein.

Für Sprinter Marcel Kittel (Arnstadt) ist ohnehin weniger der einzelne Fall des Texaners entscheidend für die weitere Entwicklung der Sportart: "Lance Armstrong war letzten Endes nicht der böse Mensch im Radsport, sondern Teil einer Kultur, die sich entwickelt hat. Es muss das große Ziel im Radsport sein, das zu ändern", sagte der 24-Jährige.

Aus seiner Sicht sei es jedoch ebenfalls zu früh, um ein abschließendes Fazit zum Auftritt des prominenten Dopingsünders zu ziehen. "Wenn er ein ernsthaftes Interesse daran hat, dem Radsport zu helfen und seine Vergangenheit aufzuklären, wird er noch mit der USADA und der WADA reden. Erst dann kann man absehen, welchen Wert seine Beichte hat", sagte Kittel.

Routinier Jens Voigt (Berlin) zeigte sich dagegen erleichtert und glaubt an einen möglichen Neuanfang. "Es ist eine große Geschichte mit großer Tragweite. Wenn Lance ernsthaft alles rauslässt und die Leute überzeugt sind, dass er die Wahrheit gesagt hat, dann denke ich, ist tatsächlich eine Chance da, dass wir einen Neustart schaffen" sagte der 41-Jährige.