Algier/Bamako (dpa) - Das Geiseldrama in der algerischen Wüste hat mindestens 80 Menschen das Leben gekostet und international Bestürzung ausgelöst. Die USA, Großbritannien, Frankreich, Norwegen und Deutschland machten die Terroristen, die ein Gasfeld tagelang besetzt und Hunderte Geiseln genommen hatten, für das Blutbad verantwortlich.

Bundesaußenminister Guido Westerwelle sagte, die Geiselnahme zeige die Grausamkeit der Islamisten. Es seien Terroristen, keine Freiheitskämpfer, betonte er. Deutsche waren nach offiziellen Angaben nicht unter den Geiseln.

Einen Tag nach dem blutigen Ende der Terroraktion fanden algerische Spezialeinheiten am Sonntag weitere 25 Tote in der Gasförderanlage In Amenas im Osten des Landes. Das berichtete der algerische Sender Ennahar unter Berufung auf Sicherheitskreise. Im algerischen Radio zeigte sich Kommunikationsminister Mohamed Said «sehr besorgt», dass die Zahl der Opfer weiter nach oben korrigiert werden müsse.

Zuletzt war unter anderem noch das Schicksal mehrerer britischer und norwegischer Geiseln unklar. Zwei deutsche Mitarbeiter einer Bohrfirma, die sich mehrere Kilometer von In Amenas entfernt an ihrem Einsatzort befanden, wurden aus Algerien ausgeflogen. Ein Norweger konnte mit einem 15-stündigen Fußmarsch durch die Wüste den Terroristen entkommen.

Mit der Erstürmung der Industrieanlage hatte die algerische Armee am Samstag die Geiselnahme durch ein Terror-Kommando beendet. Vor dem letzten Angriff sollen die Islamisten noch sieben ausländische Geiseln ermordet und das Gelände vermint haben. Teile der Anlage wollten sie in Brand setzen. Die Geiselnahme war seit Monaten für den Fall vorbereitet, dass Algerien dem Drängen Frankreichs nach Unterstützung im Mali-Krieg nachgibt.

Nach einer ersten Bilanz der algerischen Regierung konnten 685 algerische Beschäftigte und 107 ausländische Mitarbeiter während des mehrtägigen Dramas befreit werden oder sich selbst retten. 32 Terroristen waren nach diesen früheren Angaben «neutralisiert» worden - die Zahl der toten Geiseln lag bei 23.

Nach anfänglicher Kritik am Vorgehen der algerischen Armee gab es nach Abschluss der Aktion viel internationale Unterstützung. US-Präsident Barack Obama betonte in einer Erklärung: «Die Schuld an dieser Tragödie liegt bei den Terroristen, die sie verursacht haben.» Die USA arbeiteten weiterhin mit ihren Partnern eng zusammen, um die «Geißel des Terrorismus» in der Region zu bekämpfen.

Auch der britische Regierungschef David Cameron sieht die Verantwortung für die Taten allein bei den Terroristen. Zugleich sagte er einen langwierigen Kampf gegen den Terrorismus in Nordafrika und der ganzen Welt voraus. «Dies ist eine globale Bedrohung und sie erfordert eine globale Reaktion», sagte Cameron.

Frankreichs Präsident François Hollande verteidigte die Befreiungsaktion ebenso wie die Regierung in Oslo. Frankreich und Japan wollen im Kampf gegen den internationalen Terrorismus enger zusammenarbeiten. Bei der Geiselnahme in Algerien sollen auch neun Japaner getötet worden sein. EU-Ratspräsident Herman Van Rompuy sprach den Familien aller Opfer sein Beileid aus.

Die Anlage In Amenas war am Mittwoch von schwer bewaffneten Islamisten besetzt worden. Am Donnerstag griff das Militär erstmals an. Beim Sturm am Samstag wurden alle verbliebenen elf Terroristen getötet.

Die Bundesregierung will mehr Geld für den Kampf gegen islamistische Terroristen in Mali zur Verfügung stellen. Der Einsatz der deutschen Transall-Transportmaschinen zur logistischen Unterstützung französischer und afrikanischer Truppen soll aber zunächst auf die sichere Hauptstadt Bamako beschränkt bleiben.

Die beiden Transport-Flugzeuge der Bundeswehr waren am Samstagabend mit Sanitätsmaterial an Bord in Bamako gelandet. Sie sollen nun aus dem Nachbarland Senegal Soldaten der westafrikanischen Wirtschaftsgemeinschaft Ecowas nach Bamako bringen. An Kampfeinsätzen gegen Rebellen beteiligt sich Deutschland nicht.

Westerwelle bekräftigte, dass die deutsche Unterstützung für Mali in vier Richtungen ziele. Es gehe um logistische Unterstützung sowie um eine Beteiligung an der Ausbildung der dortigen Truppen. Zudem wolle Deutschland den Einsatz finanziell unterstützen. Dazu solle es Ende des Monats eine Geberkonferenz in Addis Abeba geben. Auch werde Deutschland humanitäre Hilfe für die Flüchtlinge leisten.

Der Präsident der Elfenbeinküste und Ecowas-Vorsitzende Alassane Ouattara forderte einen größeren deutschen Beitrag in der Mali-Krise. «Deutschland muss sich mehr engagieren. Ich meine, auch mit Truppen», sagte er dem «Spiegel». Zugleich wies er Befürchtungen zurück, Mali könne zu einem zweiten Afghanistan werden. Der radikale Islam habe in Mali keinen Rückhalt in der Bevölkerung. Bei einer Kundgebung in Paris bedankten sich in Frankreich lebende Malier für den Militäreinsatz französischer Truppen in ihrem Land.

EU-Militärausbilder für Mali

Auswärtiges Amt zu Mali

Transall