Berlin (dpa) - Flugzeuge in London und Frankfurt bleiben am Boden, Laster stehen quer, und Züge verspäten sich: Das Winterwetter hat den Verkehr in Europa zum Wochenstart erheblich gestört. Autos rutschten in Deutschland in Gräben, Laster steckten fest.

Allein am größten deutschen Flughafen in Frankfurt wurden am Montag erneut Hunderte Flüge gestrichen. Buslinien wurden wegen eisglatter Straßen eingestellt. Auf den Autobahnen bildeten sich lange Staus. In Russland starben in diesem Winter wegen der Kälte bereits 180 Menschen. In Deutschland bleibt der Schnee Meteorologen zufolge liegen, neuen starken Glatteisregen soll es aber nicht geben.

- Rund 500 von 1190 geplanten FLÜGEN seien für Montag bislang gestrichen worden, sagte eine Sprecherin des Frankfurter Flughafenbetreibers Fraport am Nachmittag. Grund seien ein Rückstau nach dem Eisregen vom Sonntag, aber auch Schnee und Kälte am Montag. An Europas größtem Flughafen London Heathrow wurden mindestens 175 Flüge wegen schlechter Sicht annulliert. Auch Paris, Amsterdam, München, Düsseldorf und Stuttgart strichen insgesamt Hunderte Flüge. Die Ausfälle und Verspätungen wirkten sich auch auf andere Flughäfen aus. Die Lufthansa empfahl, anstelle von innerdeutschen Flügen auf die Bahn umzusteigen. Doch auch Bahnreisende litten unter dem Winterwetter.

- Der BAHNVERKEHR in Deutschland rolle, es komme aber zu Verspätungen, sagte ein Bahnsprecher. «Es sind keine Strecken gesperrt.» Als Vorsichtsmaßnahme sei die Höchstgeschwindigkeit der ICE-Züge auf 200 Kilometer pro Stunde (km/h) begrenzt worden, die Höchstgeschwindigkeit beträgt ansonsten bis 330 km/h. So sollen Schäden an den Zügen durch aufgewirbelte Eisbrocken vermieden werden. «Das Tempolimit kostet uns Pünktlichkeit», ergänzte der Sprecher. Verspätungen von mehr als einer Viertelstunde seien aber die Ausnahme.

- Auf glatten AUTOBAHNEN gab es zahlreiche Staus und Unfälle. Auf der A 81 von Heilbronn nach Stuttgart stand der Verkehr wegen schlechter Sicht und Eisglätte nach Polizeiangaben auf 23 Kilometern Länge. In Brandenburg kippte ein Laster auf der A 9 zwischen den Anschlussstellen Brück und Niemegk um. Hunderte Paletten rutschten auf die Gegenfahrbahn, so dass die Autobahn am Vormittag voll gesperrt wurde. In Bayern verwandelte Eisregen die A 9 zwischen den Anschlussstellen Bindlacher Berg und Trockau in eine Rutschbahn. Dort krachte es seit Sonntagabend mindestens 20 Mal, was zu mindestens drei Leichtverletzten führte.

- Auf eisigen STRASSEN kam es vor allem in Bayern, Brandenburg, Nordhessen, Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz zu zahlreichen Unfällen. Es blieb aber meist bei leichteren Verletzungen und Blechschäden. In Brandenburg wurde eine 15-Jährige schwer verletzt, nachdem ein Räumfahrzeug sie erfasst hatte.

- Der BUSVERKEHR in Nordhessen wurde am Montagmorgen für mehrere Stunden wegen heftiger Schneefälle eingestellt. In Frankfurt, Kassel und Darmstadt standen STRASSENBAHNEN stundenlang still. Vereiste Oberleitungen behinderten diese unter anderem auch in Mannheim und Heidelberg.

- Der Winter führte bislang zu 180 KÄLTETOTEN in Russland. Das Wetteramt sagte dort Temperaturen bis zu minus 30 Grad voraus. Innerhalb der vergangenen vier Tage waren in Moskau etwa 50 Zentimeter Schnee gefallen, mehr als sonst im ganzen Monat Januar. In Ungarn starben nach Angaben des regierungsunabhängigen Sozialforums seit Oktober mindestens 130 Menschen an Kälte.

- In Österreich herrschte erhebliche LAWINENGEFAHR. In den Tiroler und Salzburger Skigebieten sowie in den Vorarlberger und Kärntner Bergen bestand in weiten Teilen Lawinenwarnstufe 3 auf der fünfteiligen Skala. In der Saison 2012/13 kamen bisher schon neun Menschen in Lawinen ums Leben, wie das Kuratorium für alpine Sicherheit mitteilte. In den bayerischen Alpen gab es am Montag Gefahrenstufe 2 und damit mäßige Gefahr.

- Viele Menschen freuten sich aber auch über den SCHNEE: Kinder konnten Schlittenfahren und Wintersportler auch in Ballungsräumen auf Langlaufskier steigen. In Großbritannien mussten Zehntausende Schüler nicht zum Unterricht, weil 5000 Schulen geschlossen blieben. Auch Landwirte sind zufrieden: «Das Wetter ist prima», sagte Bernhard Rüb, Sprecher der Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen. Der Frost lockere den Boden und schütze vor Schädlingen.

- Die WETTERAUSSICHTEN für Deutschland sind ebenfalls erfreulich. «Es ist kalt genug dafür, dass der Schnee liegenbleibt», sagte Tanja Dressel vom Deutschen Wetterdienst (DWD) in Offenbach. «Es ist fast überall etwas runter gekommen. Nur Mecklenburg-Vorpommern ist außen vor.» Mit Glatteisregen wie am Wochenende müsse trotz Temperaturen unterhalb des Gefrierpunkts nicht mehr gerechnet werden. Maximal ein bis zwei Zentimeter Neuschnee sagen die Wetterfachleute voraus. Wintersportler könnten sich so richtig über gespurte Langlaufloipen und gute Verhältnisse an den Hängen freuen. Die Temperaturen bleiben in den nächsten Tagen tagsüber unterhalb des Gefrierpunkts und sinken bei klarem Himmel bis auf minus zehn Grad.

Bahn-Infos zu Pünktlichkeit

Lufthansa zu Ticketumtausch

Frankfurter Flughafen