Washington (dpa) - Die Feiern sind vorbei, jetzt wartet auf US-Präsident Obama die Arbeit. Aber vor dem ersten Arbeitstag seiner zweiten Amtszeit im Oval Office nahm er sich noch die Zeit für ein Tänzchen mit seiner First Lady Michelle.

Nach den dreitägigen Feiern zur zweiten Amtseinführung geht es nun aber um die Besetzung eines der wichtigsten Posten in seinem Kabinett: Im Senat steht das Bestätigungsverfahren für die Berufung von John Kerry als Nachfolger von Außenministerin Hillary Clinton an. Am Montag waren die Feierlichkeiten mit zwei offiziellen Bällen zu Ende gegangen, auf denen die Obamas bis in die Nacht tanzten.

Den Höhepunkt hatten die Feiern bereits am Montagmittag (Ortszeit) mit Obamas Vereidigung und Antrittsrede vor dem Kapitol erreicht. In seiner Ansprache zeigte er sich nach dem übereinstimmenden Urteil von Experten kämpferisch und liberal. Er mahnte soziale Gerechtigkeit und Chancengleichheit an, setzte sich für Maßnahmen zum Klimawandel und für die Rechte von Schwulen und Lesben ein. Außerdem will er die Waffengesetze verschärfen. Kommentatoren sprachen von einer ungewöhnlich konkreten Antrittsrede.

«Ein selbstsicherer Präsident Obama» habe direkte Verbindungen zwischen den Ursprüngen der Republik und den «am meisten irritierenden politischen Fragen des Tages» gezogen, kommentierte die «Washington Post» am Dienstag Obamas Rede. Er habe versucht, persönliche Zurückhaltung abzustreifen und ein politisches Patt zu überwinden, die früher seine Ambitionen behindert hätten. Jetzt stehe Obama in Kongress und Senat ein «ernster Kampf» bevor, zumal die Republikaner Obamas Agenda «bestenfalls als Ablenkung von wichtigen Sorgen» betrachteten.

Auch die «New York Times» sagte ein hartes Ringen Obamas mit den Republikanern voraus. Statt ein Ende «belangloser Klagen» zu erklären, wie er es bei der Vereidigung 2009 getan hat, hat er die Republikaner jetzt aufgefordert, ihre feste Opposition gegen seine Agenda aufzugeben», schrieb das Blatt am Dienstag. «Wir müssen Entscheidungen treffen, und wir können uns keine Verzögerungen erlauben», hatte Obama in seiner Rede hervorgehoben.

Als erste Herausforderung muss Obama in dem von Republikanern kontrollierten Abgeordnetenhaus akute Haushaltsprobleme lösen. Auf massiven Widerstand stößt er auch mit Vorschlägen für Verschärfungen der US-Waffengesetze als Konsequenz aus dem Schulmassaker von Newtown.

Aber noch stand Washington unter dem Eindruck der Feierlichkeiten. Die Medien beschäftigten sich neben politischen auch mit modischen Themen. Hier stand Michelle Obama im Mittelpunkt. Die 49-Jährige trug zu ihrer neuen Pagenschnitt-Frisur zum Ball ein ärmelloses fließendes rotes Kleid, wie schon vor vier Jahren ein Design von Modeschöpfer Jason Wu. Ihren lobenden Beitrag über die Kleiderwahl der Präsidenten-Gattin titelten die «Patriot News» aus Pennsylvania mit «Michelle Obama gewährt Jason Wu eine zweite Nacht beim Amtseinführungs-Ball». Ihre «Loyalität zu Wu» sei ein «wundervoller Anblick», schrieb das Blatt. «Es war insgesamt eine lockerere, um nicht zu sagen sexiere Wendung für die First Lady, und es hat wunderbar funktioniert.»

Jennifer Hudson sang am Abend zum ersten Tanz der Obamas auf dem «Commander-In-Chief's Ball» zu Ehren des US-Militärs, danach auf dem offiziellen Vereidigungsball mit rund 35 000 Teilnehmern: «I am so in love with you» («Ich bin so verliebt in Dich»).

Obama stellte Michelle auf dem ersten Ball als seine «bessere Hälfte» vor: «Sie macht mich zu einem besseren Mann und Präsidenten», sagte er, bevor er Michelle auf das Parkett führte. Zuvor bedankte er sich bei den amerikanischen Männern und Frauen in Uniform für deren Einsatz. «Ihr seid heute in unseren Gedanken und jede Nacht, bis Ihr zurück daheim seid, unsere Mission beendet ist», sagte er an die Adresse von Soldaten, die aus Afghanistan zugeschaltet waren. Neben Hudson sorgten Stars wie Alicia Keys, Stevie Wonder und Jamie Foxx auf den Bällen für musikalische Untermalung.

Obamas Antrittsrede im Volltext