Wolfsburg (dpa) - Eine weitere Hinterlassenschaft der Magath-Ära sorgt beim VfL Wolfsburg für Ärger. Die im Mai vom damaligen Geschäftsführer verkündete Vertragsverlängerung mit Diego Benaglio ist ungültig, der begehrte Torwart kann den Fußball-Bundesligisten im Sommer ablösefrei verlassen.

«Ja es stimmt, der Vertrag ist aus verschiedenen Gründen nicht von zwei Geschäftsführern unterschrieben», sagte Magath-Nachfolger Klaus Allofs und bestätigte damit einen Bericht der «Sportbild»: «Damit ist es rein rechtlich kein gültiger Vertrag.»

Nach Angaben des Magazins enthielt der Vertrag eine sogenannte Magath-Klausel: Danach hätte der Schweizer Nationalspieler für eine Ablöse von sechs Millionen Euro den VfL verlassen dürfen, falls Magath nicht mehr Trainer des Vereins ist. Daher habe Wolfgang Hotze, Sprecher der Geschäftsführung, sich geweigert zuzustimmen und den Vertrag nicht unterschrieben. Unklar bleibt, warum der Aufsichtsrat des VfL, der mehrheitlich aus Volkswagen-Managern besteht, nicht eingegriffen hat.

Magath hatte am 10. Mai vergangenen Jahres trotz der fehlenden Unterschrift auf der Internetseite des Vereins die Einigung über einen bis 2017 gültigen Vertrag mit dem Toptorwart präsentiert. «Tinte drauf», lautete die saloppe Überschrift der VfL-Meldung, die durch ein gemeinsames Foto von Magath und Benaglio bei der Unterschrift des Keepers illustriert wurde.

Allofs muss nun den Schaden möglichst klein halten und einen neuen Kontrakt aushandeln. «Wir haben bereits im Dezember mit ihm darüber gesprochen», berichtete Allofs, der im November die Magath-Nachfolge angetreten hatte. «Wir streben eine schnelle Lösung an», sagte Allofs.

Der im Januar 2008 geholte Keeper ist einer der wenigen VfL-Spieler, die in den vergangenen Jahren seit der Meisterschaft 2009 durchgehend zu den Leistungsträgern beim VfL gehörten. Zudem gilt er als einer der wenigen Publikumslieblinge im Kader. «Er ist ein sehr wichtiger Spieler, was er in dieser Saison mehrfach gezeigt hat», sagte Allofs: «Wir müssen jetzt eine gültige Form bekommen.» Der Torwart selber wollte sich am Mittwoch nicht äußern.

Nach einer ebenfalls in «Sportbild» veröffentlichten Gehaltsliste soll Benaglio beim VfL monatlich 285 000 Euro brutto verdienen. «Insgesamt ist das bedenklich, egal wo das herkommt», sagte Allofs zu der Liste, ohne sie zu bestätigen oder zu dementieren. Bereits in der Vorwoche waren Gehälter von VfL-Spielern im «Spiegel» veröffentlicht worden.

Ohne Details zu nennen, sagte Allofs, dass Benaglio in Wolfsburg «gut bezahlt» werde. Dennoch ist eine erneute Einigung nicht selbstverständlich. Immerhin bemüht sich nach Angaben russischer Zeitungen Zenit St. Petersburg mit seinem deutschen Sportdirektor Dietmar Beiersdorfer seit Wochen intensiv um Benaglio. Der russische Club könnte problemlos ähnlich viel zahlen wie der VfL.

So kommt Allofs in eine kuriose Situation. Einerseits soll er den aufgeblähten Kader des VfL reduzieren, andererseits muss er nun einen auslaufenden Vertrag unbedingt verlängern - und dafür wieder viel Geld ausgeben.