Seoul/New York (dpa) - Nach der Verschärfung von UN-Sanktionen geht Nordkorea erneut auf Konfrontationskurs und droht mit dem Ausbau seines Atomwaffenarsenals. «Wir werden Maßnahmen ergreifen, um unsere defensive Militärmacht zu stärken, einschließlich der nuklearen Abschreckung», so das Außenministerium in Pjöngjang.

Zudem kündigte das kommunistische Land an, es werde keine Verhandlungen mehr über sein Atomprogramm geben. Es reagierte damit auch auf die Verurteilung seines Raketenstarts im Dezember durch den Weltsicherheitsrat. Südkorea und die USA erwägen derweil nach Medienberichten zusätzlich eigene Strafmaßnahmen gegen Pjöngjang.

Wenige Stunden zuvor hatte der Sicherheitsrat in New York mit der Stimme des nordkoreanischen Verbündeten China in einer völkerrechtlich bindenden Resolution die Sanktionen gegen Pjöngjang ausgeweitet. So sollen Auslandskonten des nordkoreanischen Komitees für Raumfahrttechnologie, einer Bank sowie von vier Handelsunternehmen eingefroren werden.

Zudem dürfen mehrere Personen, die an dem Raketenstart in leitender Position beteiligt waren, nicht mehr ins Ausland reisen. Der Rat hatte den Raketenstart vom 12. Dezember bereits zuvor scharf verurteilt, weil er bestehende Resolutionen des Gremiums verletze.

Während Nordkorea von einem Satellitenstart zu friedlichen Zwecken spricht, sehen die USA, Südkorea und andere Staaten darin einen verschleierten Waffentest. Mit solchen Starts solle die Entwicklung von Interkontinentalraketen vorangebracht werden, die mit Atomsprengköpfen bestückt werden können, lautet die Kritik.

Die prompte Reaktion Nordkoreas auf den Sanktionsbeschluss wurde in Südkorea auch als Hinweis darauf verstanden, dass das Land schon bald einen neuen Atomwaffentest ausführen könne. Es wäre der dritte - nach 2006 und 2009.

Südkorea begrüßte die neuen Sanktionen gegen den Nachbarn. Nordkorea dürfe nicht vergessen, dass der Sicherheitsrat seine Entschlossenheit zu einer «bedeutenden Handlung» für den Fall neuer Raketentests oder eines Atomtests geäußert habe, sagte ein Sprecher des Außenministeriums.

Die Möglichkeit «zusätzlicher Sanktionen» solle bei Gesprächen zwischen Regierungsvertretern Südkoreas und der USA an diesem Donnerstag erörtern werden, berichtete die südkoreanische Nachrichtenagentur Yonhap unter Berufung auf einen Diplomaten in Seoul. Der US-Sonderbeauftragte für die Nordkorea-Politik, Glyn Davies, wurde dazu in Südkorea erwartet.

Bundesaußenminister Guido Westerwelle nannte den Ratsbeschluss eine «klare Antwort auf das eklatant völkerrechtswidrige Verhalten Nordkoreas». UN-Generalsekretär Ban Ki Moon rief Nordkorea laut einem Sprecher dazu auf, Vertrauen zu seinen Nachbarländern zu schaffen und das Leben der Bevölkerung zu verbessern.

Den USA unterstellte Nordkorea eine feindselige Politik. «Angesichts der sich verschlechternden US-Politik der Feindseligkeit gegenüber Nordkorea sind die Sechs-Parteien-Gespräche null und nichtig und die Denuklearisierung der koreanischen Halbinsel zu einem Ende gebracht worden», wurde das Außenministerium von den Staatsmedien zitiert. Nordkoreas Führung ließ aber die Tür zum Dialog offen. Es werde künftig keine Verhandlungen über eine atomwaffenfreie koreanische Halbinsel mehr geben, aber Gespräche über Frieden und Sicherheit, erklärte Pjöngjang weiter.

Die sogenannten Sechser-Gespräche, bei denen es vor allem um die Beendigung des nordkoreanischen Atomprogramms gegangen war, hatte Nordkorea bereits im April 2009 nach Kritik an seinen Waffenprogrammen für beendet erklärt. An den Gespräche nehmen neben Nordkorea und den USA noch China, Russland, Südkorea und Japan teil.

China hatte vor der Verabschiedung der UN-Resolution Zurückhaltung angemahnt und vor einer Eskalation des Konflikts gewarnt. Die Resolution sei ein Kompromiss, an dem vor allem die USA und China wochenlang gearbeitet hätten, hieß es aus Diplomatenkreisen. Auch Russland stimmte für die Resolution.

UN-Resolution 2087