Köln (SID) - Der ehemalige Radprofi und geständige Dopingsünder Jörg Jaksche soll am 11. Februar in Madrid als Zeuge im Prozess gegen den spanischen Arzt Eufemiano Fuentes aussagen. Das bestätigte Jaksche dem Sport-Informations-Dienst (SID). Der 36-Jährige glaubt nicht, dass das mit Spannung erwartete Verfahren gegen den mutmaßlichen Doping-Drahtzieher Fuentes und dessen Komplizen neue Erkenntnisse bringen wird.

"Es wird nicht viel herauskommen, das lässt schon die bisherige Aufarbeitung erahnen, die mehr Fragen aufgeworfen statt Antworten gegeben hat", sagte Jaksche. Obwohl zahlreiche Zeugenaussagen in den vergangenen Jahren auch die Verstrickung von Fußballern, Tennisspielern, Schwimmern und Leichtathleten in Fuentes' Dopingnetzwerk realistisch erscheinen lassen, sind bislang nur 58 von etwa 200 ehemaligen Fuentes-Kunden bekannt - ausnahmslos Radsportler.

"Das ist schon rein statistisch unwahrscheinlich, oder alle Radsportler sind einfach nur dumm", sagte Jaksche. Eine Vertuschungsaktion ergibt für den geständigen Dopingsünder, der auch in Madrid "die Wahrheit" sagen will, eher Sinn: "Das ist wie Brot und Spiele im alten Rom: Halte dein Volk bei Laune - auch wenn 50 Prozent der Jugendlichen arbeitslos sind." Wenn die Wirtschaft keine Hoffnung mehr geben könne, dann halt der Sport, sagte Jaksche: Wahrscheinlich sei es so, dass das spanische Volk "die Wahrheit nicht ertragen könnte".

Weil es 2006 in Spanien noch kein Doping-Gesetz gab, sind Fuentes und Co. nur wegen "Gefährdung der öffentlichen Gesundheit" angeklagt. Ihnen drohen zwei Jahre Haft beziehungsweise ein entsprechendes Berufsverbot. Fuentes hält die Namen seiner Kunden bisher unter Verschluss. Der Prozess beginnt am Montag, mehr als 30 Zeugen und 10 Experten sollen gehört werden.

"Es geht hier nicht um die Sauberkeit des spanischen Sports, die muss schon der Sport selbst untersuchen, nicht die Justiz", sagte Oberstaatsanwalt Eduardo Esteban dem WDR-Magazin Sport inside. Der Prozess ist angesetzt bis zum 21. März, nach einer wahrscheinlichen Revision könnte erst Mitte 2014 eine endgültige Entscheidung fallen. Jaksche glaubt nicht, dass spektakuläre Neuigkeiten an Licht kommen werden. "Zur Not", sagt er, "können sich die Zeugen halt nicht erinnern."