Davos (dpa) - Großbritannien wird nach den Worten von Premierminister David Cameron voraussichtlich niemals der Eurozone beitreten. Die Zustimmung zu bestimmten Schritten der Europäischen Union habe in seinem Land abgenommen, sagte Cameron am Donnerstag beim Weltwirtschaftsforum in Davos.

Dies könne man nicht einfach so hinnehmen. Es gelte, sich um eine neue Zustimmung zur EU in der Bevölkerung zu bemühen. Cameron plädierte für eine Stärkung der globalen Wettbewerbsfähigkeit Europas. Dafür müssten unter anderem die Staatsschulden verringert und die Unternehmenssteuern gesenkt werden.

Europa verliere seinen Status als Vorreiter bei Erfindergeist und Wirtschaftskompetenz, so Cameron weiter. «Ganz Europa ist heute überholt in Sachen Innovation und Wettbewerbsfähigkeit». Bei seinem Vorstoß für ein Referendum über einen möglichen EU-Austritt seines Landes gehe es nicht darum, Europa den Rücken zu kehren. «Wir setzten uns ein für offenes, flexibles und wettbewerbsfähiges Europa ein», betonte Cameron.

Bei einem Volksentscheid würden zurzeit rund 40 Prozent der Briten für einen Austritt Großbritanniens aus der Europäischen Union stimmen. Das geht aus einer Umfrage des Meinungsforschungsinstituts YouGov unter 2000 Bürgern hervor.

Bei der Umfrage gaben Anfang der Woche 37 Prozent der Befragten an, sie würden bei einem Referendum für einen Verbleib des Landes in der EU votieren. 18 Prozent erklärten, sie hätten keine Meinung dazu, sechs Prozent, sie würden an einer solchen Abstimmung gar nicht erst teilnehmen.

Die Zahlen unterliegen allerdings starken Schwankungen: Nur wenige Tage zuvor hatten sich in einer YouGov-Umfrage 34 Prozent der befragten Briten für einen Austritt und 40 Prozent für einen Verbleib ihres Landes in der EU ausgesprochen.

Camerons Ankündigung sorgte europaweit für Empörung und Bestürzung. Frankreichs Präsident François Hollande schloss aus, dass sich die EU von den Plänen der britischen Regierung erpressen lassen wird. «Europa muss so genommen werden, wie es ist», sagte Hollande am Mittwochabend in Grenoble. Es sei nicht möglich, darüber zu verhandeln, um dann ein Referendum zu veranstalten. Die EU könne weiterentwickelt werden. Durch eine Volksabstimmung lasse sie sich aber nicht kleinmachen, sagte Hollande nach Angaben des französischen Nachrichtensenders BFM TV.

Der Streit um die Zukunft von Europäischer Union und Euro beschäftigt heute das Weltwirtschaftsforum in Davos. Auf dem Programm des Treffens von rund 2500 Spitzenpolitikern, Managern und Wissenschaftlern steht auch eine Rede von Bundeskanzlerin Angela Merkel

Zudem werden die Regierungschefs von Irland, Italien, Polen und den Niederlanden zu einer Podiumsdiskussion über die besten Wege zur Überwindung der Euro-Schuldenkrise erwartet.