Doha (dpa) - Europas führende Club-Chefs haben keine Einwände gegen eine Entsendung ihrer Fußballstars zur umstrittenen Wüsten-WM 2022 nach Katar.

«Die Welt kann mit einer fantastischen WM in Katar rechnen», erklärte Bayern-Chef Karl-Heinz Rummenigge nach seinem ersten Aufenthalt in dem Emirat am Persischen Golf anlässlich der Generalversammlung der Europäischen Club-Vereinigung (ECA) in Doha.

Die «ganze ECA» sei angetan gewesen von den Präsentationen der Organisatoren und schaue «optimistisch» dem Turnier entgegen, erklärte der ECA-Vorsitzende. Gemeinsam mit seinen Vorstandskollegen, darunter Sandro Rosell, der Präsident des FC Barcelona, konnte sich Rummenigge beim Besuch des WM-Pavillons oder dem Chalifa-Stadion einen intensiveren Einblick verschaffen. «Das war der schönste Fußballplatz, auf dem ich je gestanden habe», sagte der ehemalige DFB-Kapitän beeindruckt: «Ich bin froh, dass wir hier gewesen sind und uns vor Ort ein persönliches Bild machen durften.»

Die WM-Vergabe an den reichen, aber kleinen Golfstaat Katar durch den Weltverband FIFA war auch aus klimatischen Gründen umstritten, Korruptionsvorwürfe stehen im Raum. Die «große offene Frage» aus Sicht der Clubs sei der Austragungstermin, sagte Rummenigge: «Wir fühlen uns unseren Spielern verpflichtet, sie müssen die WM ja spielen», sagte der Bayern-Chef zur extremen Hitze in Katar im Sommer. Die Stadien wollen die Veranstalter klimatisieren.

Es müsse aber nicht zuletzt wegen der Fans die Frage gestellt werden, «ob es nicht sinnvoller ist, im Winter oder Herbst zu spielen», sagte Rummenigge. Der ehemalige Nationalspieler erinnerte aber auch daran, dass er selbst 1986 in Mexiko im Finale gegen Argentinien mittags um 12.00 Uhr bei 40 Grad antreten musste. «Damals hat kein Hahn danach gekräht. Aber die Zeiten haben sich geändert.»

Eine Neuvergabe der WM 2022 ist nach Aussage von FIFA-Exekutivmitglied Theo Zwanziger derzeit kein Thema. «Diese Frage stellt sich nicht. Erst einmal muss Herr Garcia seinen Bericht präsentieren. Dann stellt sich die Frage, ob andere Bewerber benachteiligt wurden. Alles andere ist pure Spekulation», sagte Zwanziger der dpa. Der ehemalige DFB-Präsident widersprach damit einem Medienbericht, nach dem über einen anderen Ausrichter der umstrittenen Titelkämpfe in Katar schon beim FIFA-Kongress am 31. Mai auf Mauritius entschieden werden könne.

Die WM-Vergabe an Katar ist heftig umstritten. Es existieren Korruptionsvorwürfe, die von Ermittler der FIFA-Ethikkommission, Michael Garcia, untersucht werden. Zwanziger sprach sich für eine rasche Arbeit des FIFA-Gremiums aus. «Es ist richtig, dass FIFA-Chefermittler Michael Garcia langsam zu Potte kommen muss», betonte er. «Er muss langsam liefern, denn es stehen Anschuldigungen gegen Personen im Raum und die Öffentlichkeit will Antworten haben.»

Vor einer neuen WM-Entscheidung durch den Kongress müssten aber auch noch die FIFA-Statuten geändert werden. Bislang befindet das Exekutivkomitee über die Turnier-Gastgeber. Eine entsprechende Änderung ist Teil des Reformpakets, das auf Mauritius verabschiedet werden soll.

Die Clubs - 207 sind in der ECA organisiert, darunter zehn aus der Bundesliga - würden sich einer Diskussion mit der FIFA über eine Verlegung vom Sommer in den Winter «nicht verweigern», erklärte Rummenigge. UEFA-Präsident Michel Platini hatte sich bereits für eine Winter-WM ausgesprochen und in diesem Zusammenhang auch eine mögliche Umstellung des Ligenbetriebs auf das Kalenderjahr angesprochen.

Bayern-Chef Rummenigge würde das für die Bundesliga gutheißen: «Bei uns in Deutschland ruht der Fußball in der besten Jahreszeit von Juni bis August. Und jetzt im Winter, wo schlechtes Wetter ist, müssen wir spielen. Der Ansatz von Platini hat Charme.»

Die Südeuropäer bevorzugen jedoch den bestehenden Spielrhythmus. «Es gibt auch innerhalb der ECA unterschiedliche Interessenlagen», bestätigte Rummenigge. WM-Turniere sollten grundsätzlich weiter im Sommer ausgetragen werden, meinte Barça-Chef Rosell. Im Fall Katar könne die ECA aber auch «sehr pragmatisch» sein, ergänzte er.

Ein Dauerthema innerhalb der ECA bleibt das Financial Fairplay, ein Reglement der UEFA zur Clublizenzierung. Die weiterhin hohen Verluste der Vereine, über die der europäische Verband berichtet hatte, nahm Rummenigge zum Anlass, an die Kollegen zu appellieren: «Der Report der UEFA lässt vermuten, dass noch bei zu vielen Clubs zu viel Geld ausgegeben wird. Das bereitet mir ein bisschen Sorge.»

Ein Streitthema bleibt auch das «Third-Party Ownership», was bedeutet, das zum Beispiel Investoren außerhalb des Clubs die Transferrechte von Spielern ganz oder teilweise besitzen. Die UEFA will das abschaffen. Die ECA wird die Thematik genauer untersuchen.