Nove Mesto (dpa) - Der Tenor bei den deutschen Biathleten vor dem Super-Wochenende in Nove Mesto war einhellig: Wir sind gut, Platz 13 in der Mixed-Staffel war ein Ausrutscher.

«Das ist Sport. Es haben schon viele eine Klatsche gekriegt. Die Fußball-Nationalmannschaft hat gegen Schweden auch 4:0 geführt und nur 4:4 gespielt. Das ist wahrscheinlich genauso hart», meinte Andreas Birnbacher.

Auch wenn die Pleite eine besonders herbe war, sei jetzt keine Zeit, um in Hysterie oder Depressionen zu verfallen. «Ich habe das Rennen schon abgehakt. Wir brauchen den Kopf jetzt nicht in den Sand stecken. Wir wissen, dass viel passieren kann. Einen Tag läuft nichts, und zwei Tage später klappt alles», sagte Birnbacher, der aber nur schwer zur Ruhe kam: «Ich konnte schwer einschlafen, weil noch viel Adrenalin im Körper war.»

Trotz des propagierten Zweckoptimismus: Der missratene WM-Auftakt ist nicht spurlos am Team vorbei gegangen. «Das war eine Riesenenttäuschung», bekannte Chefbundestrainer Uwe Müssiggang. «Wir wollten unbedingt die Medaille holen. Da waren wir aber weit weg davon.» Allerdings wolle man sich mit der schlechtesten Mixed-Platzierung in der WM-Geschichte nicht «endlos» beschäftigen. «Das wäre auch für die Athleten nicht gut. Wenn wir das alle Stunde vorrechnen», sagte der 61-Jährige. Er kündigte an: «Wir wollen Ruhe reinbringen. Das ist das einzige, was man im Moment machen kann.»

In der Analyse des Rennens sei man zu dem Schluss gekommen, dass «der Schießstand uns Probleme bereitet hat», resümierte Müssiggang. Dort sei man zu langsam gewesen. Am Material habe es, anders als nach dem Rennen vermutet, jedenfalls nicht gelegen. «Wir waren nicht im Spitzenbereich, aber wir waren auch nicht mit schlechtem Material unterwegs. Es wäre falsch, wenn wir uns darauf zurückziehen wollen und sagen würden: Wir hatten schlechte Ski. So war es nicht», meinte der Chefcoach.

Die Materialfrage war nach dem Rennen schnell aufgekommen: Denn Andrea Henkel kam kaum vom Start weg, die laufstarke Miriam Gössner konnte keinerlei Zeit gutmachen, verlor auf die Weißrussin Darja Domratschewa 35 Sekunden und auch Simon Schempp sowie Birnbacher schienen nicht konkurrenzfähig zu sein. «Wir dürfen jetzt auch nicht jedes Rennen, was nicht so läuft, auf die Techniker schieben. Das halte ich für keinen guten Weg», meinte Birnbacher. «Ich würde jetzt nicht einschätzen, dass das so gravierende Unterschiede waren.»

Aufschluss werden letztlich die Sprintrennen am Samstag geben. «Der Sprint ist schon die Vorentscheidung für den Verfolger. Man entscheidet praktisch für zwei Rennen im Prinzip», sagte Müssiggang. Am Sonntag stehen im tschechischen Hochland dann die Verfolgungs-Wettkämpfe auf dem WM-Programm.

Die deutschen Skijäger wollen Wiedergutmachung betreiben. Vor allem gilt es bis dahin, Miriam Gössner wieder aufzubauen. Die 22-Jährige hatte nach ihrem persönlichen Debakel mit einer Strafrunde bittere Tränen vergossen. «Wir haben sie aufgebaut. Miri weiß, was sie kann», meinte Birnbacher. Die dreimalige Saisonsiegerin will kämpfen, sich nicht demoralisieren lassen. «Noch habe ich keine Angst um meine Form. Ich werde wieder angreifen», sagte die Bayerin. Zudem laufen Andrea Henkel, Nadine Horchler und Franziska Hildebrand.

Bei den Herren gehen neben Birnbacher noch der frühere Sprint-Weltmeister Arnd Peiffer, Schempp und Erik Lesser an den Start. «Klar ist das Ziel eine Medaille. Die Chancen sind definitiv da. Aber ich bin immer besser damit gefahren, wenn ich ein bisschen tiefstaple und nicht vorher auf den Putz haue», meinte Birnbacher. «Die Medaillen», stellte Müssiggang fest, «werden nicht auf dem Silbertablett serviert. Es muss alles passen und da hoffen wir, dass es der einen oder dem anderen gelingt im Sprint». Schließlich sollen die deutschen Skijäger im Jahr eins nach Magdalena Neuner und Michael Greis fünf bis sechs Medaillen gewinnen.

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