Frankfurt (dpa) - Die Sorgen um die politische Stabilität in Spanien und Italien dürften den Dax auch in der kommenden Woche belasten. Dennoch rechnen Experten nicht mit einer grundlegenden Trendwende am Aktienmarkt nach unten, da die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen weiterhin günstig seien.

Analyst Markus Reinwand von der Landesbank Hessen-Thüringen (Helaba) geht davon aus, dass Aktien nach dem überdurchschnittlich guten Jahresstart zunächst etwas die Puste ausgehen könnte. Der Dax hatte im Januar in der Spitze um mehr als drei Prozent angezogen und Ende des Monats bei 7871,79 Punkten den höchsten Stand des laufenden Jahres erreicht. Bis zum Rekordhoch aus dem Jahr 2007 bei 8151,57 Punkten fehlten nur noch gut drei Prozent.

Nach seiner jüngsten Rally aber zeige der Dax auf kurze Sicht Überhitzungserscheinungen, so der Helaba-Experte weiter. Insgesamt bleibe er positiv gestimmt: «Eine Konsolidierung ist nun durchaus gesund und der geldpolitische Rückenwind spricht mittelfristig für weiter steigende Kurse.» Hintergrund ist die Aussage des Chefs der Europäischen Zentralbank, Mario Draghi, alles Notwendige tun zu wollen, um den Euro zu erhalten. Seit dieser Ankündigung Ende Juli hat der deutsche Leitindex sechs Monate in Folge zugelegt.

Auch die Experten der Landesbank Berlin bezeichneten eine Dax-Korrektur im Februar als durchaus noch möglich. Einen größeren Rückschlag erwarten sie nicht: «Anleger sind nach wie vor zurückhaltend in Aktien positioniert. Die Wahrscheinlichkeit ist daher größer, dass anziehende Kurse zu schnellen Zukäufen führen, als dass Korrekturen panikartige Verkäufe nach sich ziehen.» Gegen einen deutlichen Abschwung sprechen nach Ansicht der Experten von Raiffeisen Research derzeit auch viele solide Unternehmensergebnisse. Zudem deute der Anstieg einiger Konjunkturindikatoren auf eine wirtschaftliche Erholung hin. Und als Trumpf geselle sich noch die attraktive Bewertung der Aktien hinzu.

Auch Aktienstratege Markus Wallner von der Commerzbank bleibt optimistisch: Zwar zeigten die jüngsten Verluste im Dax, dass die Staatsschuldenkrise noch immer stärkere Kursausschläge auslösen könne. Dennoch sollten Schwächephasen zum Aufbau von Aktienpositionen genutzt werden, empfahl er. Die guten Umfragewerte für Italiens umstrittenen Ex-Regierungschef Silvio Berlusconi sowie Korruptionsvorwürfe gegen die spanische Regierung hatten den deutschen Leitindex in den ersten vier Handelstagen der abgelaufenen Woche den gesamten Jahresgewinn gekostet.

Unter den Einzelwerten am Aktienmarkt stehen am Dienstag vor allem die Papiere von ThyssenKrupp im Zentrum der Aufmerksamkeit. Der von Problemen belastete Industriekonzern präsentiert die Zahlen zum ersten Geschäftsquartal. Das Unternehmen kämpft weiter gegen die Krise der Stahlbranche und die Folgen der Fehlentscheidungen in den vergangenen Jahren. Bei der Vorlage des Zahlenwerks stehen deswegen vor allem Neuigkeiten zum geplanten Verkauf der beiden Stahlwerke in Brasilien und den USA im Fokus.

Ansonsten läuft die kommende Woche angesichts der Karnevalsfeiern ruhig an. Am Rosenmontag veröffentlicht unter den großen Aktiengesellschaften lediglich der Mannheimer Bau-Dienstleister Bilfinger sein Jahresergebnis. Zur Wochenmitte folgt dann das Quartalsergebnis des Reisekonzerns Tui. Am Donnerstag präsentieren der Sportartikelhersteller Puma, der Verpackungsspezialist Gerresheimer und das Medizintechnik-Unternehmen Carl Zeiss Meditec ihre Geschäftszahlen. Die Commerzbank beschließt die Woche am Freitag mit der Vorlage ihrer endgültigen Jahreszahlen. Ersten Eckdaten zufolge hat das Institut 2012 nur mit Ach und Krach die Gewinnzone erreicht.