Moskau (dpa) - Beim Absturz eines Meteoriten am russischen Uralgebirge sind mehr als 700 Menschen verletzt worden, darunter mindestens 159 Kinder.

Die meisten Verletzten seien von Scherben zersplitterter Scheiben getroffen worden, teilte das Innenministerium am Freitag der Agentur Interfax zufolge mit.

Der Himmelskörper war am Freitag gegen 9.23 Uhr Ortszeit (etwa 4.23 Uhr MEZ) in der etwa 1500 Kilometer östlich von Moskau gelegenen Region Tscheljabinsk eingeschlagen. Mehr als 100 Menschen mussten in Krankenhäusern behandelt werden. Insgesamt seien in mindestens sechs Städten Schäden an Gebäuden festgestellt worden, hieß es.

Der Niedergang hat nach Angaben deutscher Weltraumexperten nichts mit dem Asteroiden «2012 DA14» zu tun, der an diesem Freitagabend knapp an der Erde vorbeirasen wird. «Das ist etwas völlig anderes», sagte ein Sprecher der europäischen Weltraumagentur Esa auf Anfrage. Flugbahn und Ort des Einschlags sprächen dagegen.

Der Meteorit raste nach Experteneinschätzung mit extrem hoher Geschwindigkeit Richtung Erde. Nach Eintritt in die Atmosphäre dürfte das kosmische Geschoss mit einer gewaltigen Druckwelle explodiert sein. Dadurch wurden zahlreiche Dächer zerstört und Fensterscheiben zertrümmert. Atomanlagen in der Gegend seien aber nicht betroffen, hieß es.

«Das war ein großer Feuerball, der dann runterfiel. Das Ganze dauerte ein paar Sekunden», sagte ein Bewohner der Region der Agentur Itar-Tass. Augenzeugen berichteten von Lichtblitzen, Explosionen und Rauchwolken am Himmel. Viele dachten demnach, ein Flugzeug sei explodiert. Zahlreiche Russen wunderten sich, wie ungewöhnlich schnell es Bilder gab von dem Phänomen sowie von Menschen, die panikartig Gebäude mit zerborstenen Scheiben verließen.

Ein Teil des Meteorits sei in der Nähe des zugefrorenen Sees Tschebarkul rund 80 Kilometer westlich von Tscheljabinsk niedergegangen, teilte die Gebietsverwaltung mit. Hier entdeckten die Behörden am Mittag einen sechs Meter breiten Krater sowie mehrere etwa einen Zentimeter große Splitter.

«Die meisten Splitter sind verdampft, einige schafften es aber bis zur Erdoberfläche», sagte Valeri Schuwalow von der Russischen Wissenschaftsakademie. Er vermutet, dass es sich um einen Nickel-Eisen-Meteoriten handelt. Nur ein solcher Körper sei fest genug, um die unteren Schichten der Atmosphäre zu erreichen.

Der russische Präsident Wladimir Putin ordnete rasche Hilfe für die Verletzten in der Region an. Gebietsgouverneur Michail Jurewitsch brach eine Moskauer Dienstreise ab. «Bei Temperaturen von minus 18 Grad in Tscheljabinsk ist jetzt am wichtigsten, dass die zertrümmerten Fensterscheiben ersetzt werden», sagte der Verwaltungschef. Nach Behördenangaben waren sieben Flugzeuge und 20 000 Angehörige des Zivilschutzes in der Region im Einsatz.

Der russische Astronom Sergej Smirnow meinte, dass der Meteorit vor dem teilweisen Verglühen vermutlich mehrere Tonnen schwer gewesen sei. Einzelne Splitter hätten demnach jeweils bis zu einem Kilogramm wiegen können. «Nach allem, was wir wissen, ging ein Meteorit mit einem Durchmesser von zwei bis vielleicht vier Metern nieder», sagte Smirnows Berufskollege Sergej Jasew. «Wegen seiner gigantischen Geschwindigkeit explodierte er in den oberen Schichten der Atmosphäre. Die Druckwelle reichte bis zur Erdoberfläche», meinte er.

Auch deutsche Forscher registrierten den Absturz des Meteoriten. «Es waren starke Signale. Man kann sie zeitlich zuordnen», sagte Gernot Hartmann von der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR) in Hannover der Nachrichtenagentur dpa. Nach Angaben der Bundesregierung wurden bei dem Unglück keine Bundesbürger verletzt. Nach aktuellen Erkenntnissen gebe es in Deutschland auch «keine konkrete Gefährdung» durch solche Himmelskörper, sagte eine Sprecherin des Innenministeriums.

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