Hamburg/Köln/Bonn (dpa) - Der Streik der Sicherheitskräfte hat den Flugbetrieb an den Flughäfen Hamburg und Köln/Bonn am Freitagvormittag fast komplett zum Erliegen gebracht.

Beschäftigte an den Sicherheitsschleusen legten mit dem Schichtbeginn um 3.45 Uhr und 4.00 Uhr ihre Arbeit für den gesamten Tag nieder. Damit setzten sie ihren Streik für mehr Lohn vom Donnerstag fort, der in Hamburg und Düsseldorf für zehntausende Reisende zu erheblichen Beeinträchtigungen geführt hatte. Den Passagieren wurde erneut geraten, engen Kontakt mit den Airlines zu halten und sich über Ausfälle und Verspätungen zu informieren.

Die Fronten in dem Tarifstreit sind weiter verhärtet. Die Gewerkschaft Verdi fordert 30 Prozent mehr Lohn für das private Sicherheitspersonal. Die Arbeitgeber bieten zwischen fünf und neun Prozent.

Schon am Morgen zeigten die Anzeigetafeln an beiden Flughäfen zahlreiche gestrichene Flüge ins In- und Ausland. Fast zwei Drittel der Flüge seien schon in der Frühe gestrichen worden, das seien 108 von 179 Flügen, sagte eine Flughafensprecherin in Hamburg. Bei regulärem Flugbetrieb wurden für Freitag rund 19 400 Passagiere im Hamburger Flughafen erwartet. Nur zwei der 20 Sicherheitsschleusen waren geöffnet. Der Flughafen versorgte die Wartenden mit Stühlen, Getränken und Proviantbeuteln. Nach Angaben der Sprecherin hatten 14 Fluggäste die Nacht auf Feldbetten im Flughafengebäude verbracht.

«Es tut schon sehr weh. Ich verpasse meine Termine in Brüssel und kann vermutlich am Wochenende meine Kinder nicht sehen», sagte ein Hamburger auf dem Weg in die belgische Hauptstadt. «In meinen Augen sollten Kontrollen an Flughäfen nicht an private Unternehmen vergeben werden», sagte ein Urlauber auf dem Weg ins spanischen Malaga. V

iele Fluggäste stellten sich am Freitagmorgen auf lange Wartezeiten ein und kamen schon Stunden vor dem geplanten Abflug, um ihr Ziel vielleicht trotz der Arbeitsniederlegungen zu erreichen. Auch in Köln/Bonn mussten viele Fluggäste erhebliche Beeinträchtigungen in Kauf nehmen. Wartende standen vor der einzigen geöffneten Kontrollschleuse an. Der Flughafen sagte einem Sprecher zufolge 39 Ankünfte und 54 Abflüge ab. Das entsprach etwa der Hälfte aller am Freitag geplanten Flüge. Von Köln/Bonn sollten am Freitag fast 100 Maschinen mit rund 10 000 Passagieren starten.

Allerdings seien viele Reisende vorab gut informiert gewesen, so dass der große Andrang ausblieb, sagte ein Flughafensprecher. Lange Schlangen wie in Hamburg, wo Verdi zum zweiten Tag in Folge zum Streik aufgerufen hatte, bildeten sich in Köln/Bonn am Morgen nicht. Bereits im Januar war es zu Streiks in Düsseldorf, Köln/Bonn und Hamburg gekommen.

DGB-Chef Michael Sommer verteidigte die Streiks: Alle Passagiere müssten sich darauf verlassen können, «dass gut bezahlte und hochmotivierte Mitarbeiter an den Flughäfen für ihre Sicherheit sorgen». Es sei unmöglich, wenn Beschäftigte an solchen sensiblen Stellen mit «Hungerlöhnen» abgespeist werden, sagte er der «Schwäbischen Zeitung» (Freitag). Nach Gewerkschaftsangaben in NRW gehören 70 bis 80 Prozent der Beschäftigten zur untersten Lohngruppe mit einem Stundenlohn von 8,23 Euro. Für sie fordert Verdi eine Erhöhung auf 10,50 Euro.

Auswirkungen hatten die Streiks auch an anderen Flughäfen. Etwa ein knappes Dutzend Flüge von und nach Köln/Bonn wurden am Berliner Flughafen Tegel deshalb laut Fluggastinformation in der Früh gestrichen. Auch am Flughafen Stuttgart kam es zu Flugausfällen. Insgesamt seien für Freitag 17 Flüge von und nach Hamburg gestrichen, sagte eine Sprecherin des Flughafens. Störungen gab es zudem am Flughafen Leipzig/Halle. Vier Flüge von und nach Köln/Bonn wurden am Freitag gestrichen, wie Sprecher Uwe Schuhart sagte. In Dresden fielen sechs Flüge aus, wie der Flughafen am Morgen auf seiner Internetseite mitteilte.

Hotlines der Fluggesellschaften

Gestrichene Flüge der Lufthansa

Gestrichene Flüge der Air Berlin