Brüssel/Genf (dpa) - Jeden Tag werden in Syrien Kriegsverbrechen begangen - auch von jenen, die das Assad-Regime stürzen wollen. Die meisten EU-Regierungen sind denn auch gegen Waffenlieferungen an die syrischen Rebellen.

Dies wurde zu Beginn eines Treffens der EU-Außenminister am Montag in Brüssel deutlich. Mehrere Minister, darunter auch der deutsche Ressortchef Guido Westerwelle, forderten eine politische Lösung für den Konflikt zwischen Syriens Staatschef Baschar al-Assad und der Opposition.

Auch UN-Experten glauben nicht an eine militärische Lösung, wie aus dem jüngsten Lagebericht der vom UN-Menschenrechtsrat in Genf berufenen Syrien-Kommission hervorgeht. Es gebe «keine Alternative zu einer politischen Lösung», betonte die vom brasilianischen Diplomaten Paulo Pinheiro geleitete Expertengruppe. Die Kommission forderte erneut, Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit strafrechtlich zu verfolgen. Einer sich ausbreitenden gefährlichen «Kultur der Straflosigkeit» müsse entgegengetreten werden.

Die Kommission kündigte an, der UN-Hochkommissarin für Menschenrechte, Navi Pillay, im März eine vertrauliche Liste mit Namen und Einheiten zu übergeben, denen Kriegsverbrechen angelastet werden. Die Kommission wirft den Truppen des Assad-Regimes, aber auch regierungsfeindlichen Gruppierungen Morde, Folter, Vergewaltigungen und Angriffe auf Zivilisten vor.

In Brüssel sprachen sich die meisten Außenminister dafür aus, ein bis Ende Februar laufendes Waffenembargo gegen Syrien zumindest für einige Monate zu verlängern. Zugleich könne dann überlegt werden, wie die Opposition noch besser unterstützt werden könne. «Wir sind der Überzeugung, dass eine Aufhebung des Waffenembargos nicht vernünftig ist», sagte Westerwelle. «Eine Aufhebung des Waffenembargos würde lediglich zu einem Aufrüstungswettlauf in Syrien führen.»

Die islamistische Al-Nusra-Front, eine der militärisch erfolgreichsten Rebellenbrigaden in Syrien, machte deutlich, dass sie nach einem Sturz des Assad-Regimes die Errichtung eines islamischen Staates anstrebt. «Unser Ziel ist die Gründung eines islamischen Staates in Syrien, der auf dem Prinzip der Beratung («Schura») gründet», sagte ein Sprecher des politischen Arms der Bewegung, Salim Sabagh, in der Nacht zum Montag in der Stadt Aleppo.

In einigen «befreiten Gebieten» habe die Al-Nusra-Front bereits Gerichte eingerichtet, die auf Grundlage des islamischen Rechts («Scharia») urteilten. Dies sei von der Bevölkerung positiv aufgenommen worden. Auf die Frage, welche Rechte in diesem Staat die religiösen Minderheiten hätten, vor allem die Christen und Drusen, antwortete er ausweichend. Die USA hatten die Al-Nusra-Front (Dschabhat al-Nusra) bereits im Dezember 2012 auf ihre Liste von Terrororganisationen gesetzt.

Die Syrien-Kommission empfiehlt in ihrem Bericht, der UN-Sicherheitsrat in New York möge den Internationalen Strafgerichtshof (IStGH) in Den Haag einschalten. Hinsichtlich der Schwere der Kriegsverbrechen gebe es zwar keinen Unterschied zwischen Truppen des Assad-Regimes und der Opposition, jedoch würden Regierungssoldaten und mit ihnen verbündeten Milizen erheblich mehr derartige Verbrechen begehen als ihre Gegner.

Um Bemühungen zur Einschaltung des IStGH wird es auch bei der am kommenden Montag in Genf beginnenden 22. Sitzung des UN-Menschenrechtsrates gehen. Zu dessen 47 Mitgliedstaaten gehört seit Januar für drei Jahre auch Deutschland.

Hintergrundpapier EU-Ministerrat

EU-Seite zu Syrien

EU und Syrien

Bericht der Syrien-Kommission