Hannover (dpa) - Spannung in Niedersachsen: Einen Monat nach dem hauchdünnen Sieg von SPD und Grünen bei der Landtagswahl wird heute in Hannover der neue Ministerpräsident gewählt.

Neuer Regierungschef und Nachfolger von David McAllister (CDU) soll der bisherige hannoversche Oberbürgermeister Stephan Weil (SPD) werden. Der Wahlgang wird aufregend, weil die rot-grüne Koalition im Parlament nur eine Stimme Mehrheit hat - schon an einem einzigen Abweichler aus den eigenen Reihe würde Weil scheitern.

SPD und Grüne sehen die knappe Mehrheit aber gelassen. Eine Probe-Abstimmung für die Ministerpräsidenten-Wahl soll es in der SPD-Fraktion vorher nicht geben. «Wir sind alle ganz entspannt», sagte Fraktionssprecher Olaf Reichert am Montag.

Am Montagabend unterzeichneten die Spitzen von SPD und Grünen ihren Koalitionsvertrag in Hannover. «Für uns ist das der Schlusspunkt unter harte Arbeit, aber auch gute Arbeit», sagte Weil. Am Wochenende hatte die Basis beider Parteien das 96-seitige Vertragswerk einstimmig gebilligt.

Zu den wichtigsten Reformprojekten der neuen Koalition gehören die Abschaffung der Studiengebühren sowie eine Wende in der Agrar- und der Schulpolitik. Auch die Förderung der Regionen soll ein Schwerpunkt der Arbeit werden.

Die Grünen bekommen mit Agrar, Umwelt, Wissenschaft und Justiz vier Ministerien. Die SPD erhält fünf Ministerposten und stellt den Regierungschef. Die neuen Minister sollen nach der Wahl des Regierungschefs offiziell ernannt werden. Am Dienstagnachmittag will der neue Ministerpräsident dann seine erste Regierungserklärung abgeben.

Vor der Wahl des Regierungschefs müssen die Parlamentarier einen neuen Landtagspräsidenten bestimmen. Einziger Kandidat ist der bisherige Justizminister Bernd Busemann. Dessen Wahl gilt als sicher, obwohl der CDU-Politiker Anfang Februar mit einer Alkoholfahrt für Schlagzeilen gesorgt hatte.

Nach zehn Jahren CDU/FDP-Koalition hatten SPD und Grüne die Landtagswahl in Niedersachsen am 20. Januar knapp gewonnen. Die CDU blieb zwar mit 36,0 Prozent stärkste Partei, trotzdem reichte es für SPD (32,6 Prozent) und Grüne (13,7 Prozent) zusammen zum Machtwechsel. Die FDP erzielte 9,9 Prozent. Die SPD verfügt im neuen Landtag nun über 49 Mandate, die Grünen haben 20, die CDU 54 und die FDP 14 Sitze.

Die geplante rot-grüne Regierung ist die zweite Koalition dieser Art in Niedersachsen - die erste führte der damalige Ministerpräsident Gerhard Schröder von 1990 bis 1994.