Berlin (SID) - David Howman, Generaldirektor der Welt-Anti-Doping-Agentur (WADA), hat im Kampf gegen Doping, Wettbetrug und Korruption im Sport eine länderübergreifende "Integritätskommission" gefordert. Die Probleme würden "immer größer und bedenklicher", sagte Howman der englischen Tageszeitung The Guardian: "Und zu groß für den Sport, um damit fertig zu werden."

Besonders bedenklich nannte Howman den Einfluss der organisierten Kriminalität auf den Sport. Entdeckungen wie in Australien Anfang Februar seien ebenso in Großbritannien und in anderen Ländern vorstellbar. Dort hatte eine Untersuchungskommission in einjähriger Recherche einen "weitverbreiteten" Gebrauch von verbotenen Substanzen und Verbindungen des Sports zur organisierten Kriminalität aufgedeckt. "Wenn sie denken, dass die Mafia und die Unterwelt nicht am Sport in diesem Land beteiligt sind, leben sie in einer Märchenwelt", sagte Howman mit Blick auf England und Großbritannien.

Die fortschreitende Kommerzialisierung des Sports im vergangenen Jahrzehnt habe die kriminelle Unterwelt angezogen und zu einem enormen Anstieg des Dopinghandels und Wettbetrugs geführt. "Wenn sie nur ein kleines Anti-Doping-Programm am Laufen haben, dann ist das eine Riesensache, mit der man erst mal fertig werden muss", sagte Howman.

Zugleich wiederholte er den Vorwurf an Sportverbände, lediglich das Minimum im Anti-Doping-Kampf zu unternehmen. So seien erhebliche Summen in die Entwicklung auf einen Nachweis für Wachstumshormone verwendet worden, allerdings wurde, so Howman, im Jahr 2011 schätzungsweise nur ein Viertel der 12.000 genommenen Blutproben darauf untersucht. Davon entfielen die meisten auf unterklassige Baseball-Ligen.

Besonders der Leichtathletik-Weltverband IAAF sei gefährdet, nach den Enthüllungen im Radsport zum neuen Negativbeispiel zu werden. Aufgrund einer Untersuchungen von Blutproben im Nachgang der WM 2011 im südkoreanischen Daegu, schätze er den Anteil von Athleten, die mit Blutdoping nachgeholfen haben könnten, auf 14 Prozent.

"Das bedeutet, dass es weiterverbreitet ist, als die Leute denken", sagte Howman: "Die IAAF könnte zur neuen UCI (Radsport-Weltverband, d. Red.) werden. Aber um fair zu bleiben, muss man sagen, dass die IAAF sich der Gefahr bewusst ist. Sie haben den (biologischen) Pass eingeführt. Und wir hoffen, dass sie damit weitermachen."