Caracas (dpa) - Seine Anhänger in Venezuela sind geschockt, Lateinamerikas Linke trauert um ihre Symbolfigur: Der Tod des venezolanischen Staatschefs Hugo Chávez hat Bestürzung ausgelöst.

In dem südamerikanischen Land strömten Tausende «Chavistas» auf die Straße, um ihre Trauer zu bekunden. Die Lage sei aber ruhig geblieben, sagte Verteidigungsminister Diego Molero in der Nacht zum Mittwoch.

Der 58-jährige Chávez war am Dienstag nach fast zweijährigem Kampf gegen den Krebs in einem Militärkrankenhaus der Hauptstadt Caracas gestorben. Die Regierung ordnete eine einwöchige Staatstrauer an und bereitet eine große Trauerfeier vor.

Polizei und Militär sind überall im Einsatz. Bis zur Beisetzung am Freitag fällt der Unterricht an Schulen und Universitäten aus. Zur offiziellen Trauerfeier werden zahlreiche Staats- und Regierungschefs in Caracas erwartet. Die Opposition rief zur Einheit auf.

Mehrere Länder Lateinamerikas, darunter Argentinien, Bolivien und Kuba, verhängten ebenfalls eine mehrtägige offizielle Staatstrauer. Für Revolutionsführer Fidel Castro sei Chávez wie ein «echter Sohn» gewesen und für Staatschef Raúl Castro ein «herzlicher Freund». «Chávez ist auch Kubaner», hieß es einer Mitteilung der Regierung in Havanna.

Chávez war in Kuba seit Juni 2011 viermal operiert worden und erst am 18. Februar nach mehr als zwei Monaten aus Havanna nach Caracas zurückgekehrt.

US-Präsident Barack Obama, den Chávez stets heftig kritisiert hatte, signalisierte das Interesse der USA an konstruktiven Beziehungen zu Caracas. «Während Venezuela ein neues Kapitel in seiner Geschichte beginnt, engagieren sich die Vereinigten Staaten weiter für eine Politik, die demokratische Prinzipien, Rechtsgrundsätze und den Respekt für Menschenrechte unterstützt», erklärte er.

Venezuela hatte erst am Dienstag zwei US-Militärattachés wegen angeblicher Verwicklung in «konspirative Pläne» des Landes verwiesen. Die USA wiesen die Behauptungen als abwegig zurück.

Kremlchef Wladimir Putin würdigte Chávez als «herausragenden Anführer». «Er war ein außerordentlicher und starker Mensch, der in die Zukunft blickte und sich selbst stets die höchsten Maßstäbe auferlegte», schrieb Putin. Irans Präsident Mahmud Ahmadinedschad nannte Chávez ein «Symbol des Widerstands gegen den Imperialismus».

EU-Ratspräsident Herman Van Rompuy und EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso erklärten, Venezuela habe sich durch seine soziale Entwicklung und für seinen Beitrag zur regionalen Integration Südamerikas ausgezeichnet.

Bundesaußenminister Guido Westerwelle erklärte, er setze darauf, «dass Venezuela nach Tagen der Trauer den Aufbruch in eine neue Zeit schafft». «Venezuela hat ein großes Potenzial, und Demokratie und Freiheit sind der richtige Weg, um dieses Potenzial zu verwirklichen.»

Den Tod Chávez' hatte Vize-Präsident Nicolás Maduro am Dienstag mit tränenerstickter Stimme verkündet. «Im immensen Schmerz dieser historischen Tragödie, die unser Vaterland berührt, rufen wir alle Landsleute auf, Wächter des Friedens, der Liebe, des Respekts und der Ruhe in diesem Vaterland zu sein», sagte er. Stunden zuvor hatte Maduro erklärt, die schwere Krebserkrankung von Chávez sei auf eine gezielte Infizierung zurückzuführen gewesen. Die USA und die Feinde der Regierung hätten einen «psychologischen und schmutzigen Krieg» gegen ihn und Venezuela geführt.

Laut Verfassung müssen in Venezuela nun binnen 30 Tagen Neuwahlen ausgerufen werden. Der 50-jährige Maduro soll als Spitzenkandidat der Vereinten Sozialistischen Partei Venezuelas (PSUV) ins Rennen gehen. Für die Opposition wird möglicherweise Henrique Capriles Radonski (40) einen neuen Anlauf unternehmen. Der Gouverneur von Miranda war Chávez bei der Wahl im Oktober 2012 unterlegen. Er rief die Venezolaner zur Einheit auf. «Dies ist nicht der Zeitpunkt, um unsere Differenzen zu unterstreichen.»

Die Regierung bereitet das Staatsbegräbnis vor. Der linksgerichtete Präsident sollte bereits am Mittwoch mit 21 Kanonensalven geehrt werden, wie Verteidigungsminister Molero sagte. Im Laufe des Tages sollte der Leichnam vom Militärhospital Carlos Arvelo in die Militärakademie übergeführt und dort aufgebahrt werden. Die Bevölkerung soll die Gelegenheit bekommen, Chávez die letzte Ehre zu erweisen. Im Internet mehren sich die Stimmen, Chávez solle im National-Pantheon beigesetzt werden, wo auch der Befreiungsheld Simón Bolívar ruht.

Staatl. Nachrichtenagentur AVN

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