Berlin (dpa) - Reiseweltmeister sind die Deutschen zwar nicht mehr - aber für die schönsten Wochen des Jahres geben sie so viel aus wie nie zuvor. Die Urlaubsausgaben erreichten im vergangenen Jahr trotz wirtschaftlicher Unsicherheiten mit rund 63 Milliarden Euro für Reisen von fünf Tagen und länger einen Rekordwert.

Das berichtete die Forschungsgemeinschaft Urlaub und Reisen (FUR) am Mittwoch auf der Reisemesse ITB in Berlin. Das bedeutete ein Plus von vier Prozent - und Volkswirte erwarten, dass es 2013 ebenso weiter geht. Jeder Bundesbürger ließ sich seine Reise im Durchschnitt 914 Euro kosten.

Das beliebteste Flugziel bleiben die Balearen. Mallorca und Co. feierten im vergangenen Jahr mit einem Plus um 3,6 Prozent auf 4,1 Millionen Passagieren aus Deutschland einen Rekord, wie aus jüngsten Zahlen des Statistischen Bundesamtes hervorgeht. Insgesamt stieg die Zahl der Fluggäste aus Deutschland mit Auslandsziel um 2,8 Prozent auf 77,3 Millionen. In Europa mussten die Griechen die größten Rückgänge verkraften. Aus Deutschland kamen noch 2,06 Millionen Fluggäste nach Hellas, ein Zehntel weniger als ein Jahr zuvor. Überdurchschnittlich legten asiatische Ziele zu.

Auch für 2013 sind die Aussichten laut der FUR-Reiseanalyse positiv. «55 Prozent der Bundesbürger haben bereits feste Urlaubspläne, nur 12 Prozent wollen sicher nicht verreisen», sagte FUR-Studienleiter Martin Lohmann. Die Reiseausgaben sollen stabil bleiben. Die meisten wollen genauso viel ausgeben wie 2012.

Laut der Deutschen Zentrale für Tourismus (DZT) sind Kurzreisen und speziell Städtereisen immer beliebter. Auch für Kurz-Trips greifen die Deutschen tiefer in die Tasche. Sie gaben im vergangenen Jahr laut FUR 20,1 Milliarden Euro nach 18,7 Milliarden Euro im Vorjahr aus. Das Gesamtvolumen der Urlaubsreisen war mit knapp 70 Millionen Reisen stabil.

Trotz allen Fernwehs: Die meisten Deutschen bleiben im Urlaub zu Hause. Das gilt für 31 Prozent aller Urlaubsreisen, wie die FUR-Anlayse ergab. Für immer mehr Ausländer ist Deutschland als Reiseland beliebt wie nie. Deutschland habe viele Pluspunkte. «Im europäischen Vergleich ist das Preis-Leistungsverhältnis unschlagbar», sagte DZT-Chefin Petra Hedorfer.

Beliebter werde der Shoppingurlaub hierzulande: Der Einzelhandel verbuchte 1,5 Milliarden Euro Umsatz durch ausländische Gäste von außerhalb der EU, die umsatzsteuerfrei einkaufen können - ein Plus von 46 Prozent. Da machten sich die sprunghaft gestiegenen Zahlen der Russen, Araber und Schweizer bemerkbar - und der neuen Reiseweltmeister, der Chinesen.

68,8 Millionen Übernachtungen ausländischer Besucher waren es nach Angaben des Statistischen Bundesamtes insgesamt - ein Rekord. Das deutliche Plus von 8,1 Prozent brachte 2012 einen Wachstumsschub für das Reiseland Deutschland, wie Hedorfer sagte. Die Deutschen buchen inzwischen mehr als jede dritte Reise ganz oder teilweise im Internet. Im Touristikjahr 2011/2012 stiegen die Online-Buchungen um gut ein Fünftel auf einen Anteil von gut 36 Prozent, wie das Nürnberger Marktforschungsunternehmen GfK ermittelte. «Für Reiseziele wie die USA, Großbritannien oder Frankreich liegt der Online-Buchungsanteil bereits bei über 50 Prozent», heißt es. Auch beim klassischen Badeurlaub, der für ein gutes Fünftel der vorab gebuchten Urlaubsreisen stehe, liege der Anteil nahezu gleichauf mit der Buchung im stationären Reisebüro.

Trotz aller Reisefreude sind die Deutschen laut FUR sensibel für politische und wirtschaftlichen Unsicherheiten in den Zielländern. Zu den Verlierern zählte Griechenland, Ägypten und Tunesien. Profiteure seien die Türkei und Spanien. Habib Ammar, Generaldirektor des Fremdenverkehrsamtes Tunesien, zeigte sich am Mittwoch auf Reisemesse ITB dennoch zuversichtlich: Die jüngsten politischen Unruhen im Februar seien vielleicht ein Dämpfer für derzeitige Buchungen, für die Hauptsaison spiele das aber seiner Einschätzung nach keine Rolle. So stieg die Zahl der deutschen Gäste im vergangenen Jahr zwar um 52,2 Prozent auf 411 828, zwei Jahre zuvor waren es aber noch 458 631.

ITB