Frankfurt/Main (dpa) - Die Europäische Zentralbank (EZB) hält den Leitzins im Euroraum wie erwartet auf dem Rekordtief von 0,75 Prozent. Das entschied der Rat der Notenbank am Donnerstag in Frankfurt, wie die EZB mitteilte.

Obwohl die Unsicherheit nach den Wahlen in Italien wieder gestiegen ist und der Euroraum weiter in der Rezession steckt, hatten die meisten Volkswirte mit der abwartenden Haltung der Währungshüter gerechnet.

Die EZB geht zwar bisher von einem weiteren schwierigen Jahr für die Wirtschaft im Euroraum aus. Sie erwartet jedoch, dass sich die Konjunktur im Laufe des Jahres allmählich wieder erholen wird.

Die neuesten Prognosen der Notenbank zu Konjunktur und Inflation, auf deren Basis die EZB geldpolitische Entscheidungen trifft, präsentiert EZB-Präsident Mario Draghi am Nachmittag in Frankfurt.

Neben der schwachen Konjunktur spricht im Grunde auch die niedrige Teuerungsrate für eine Lockerung der Geldpolitik. Allerdings haben Experten Zweifel an der Wirkung einer weiteren Zinssenkung. «Die konjunkturellen Effekte eines solchen Schrittes würden äußerst gering ausfallen», sagt Stefan Schilbe, Chefvolkswirt der Privatbank HSBC Trinkaus & Burkhardt. Dies sei ein wichtiger Grund dafür, dass die Mehrheit der Volkswirte der deutschen Privatbanken keine weiteren Zinssenkungen im Euroraum erwarte.