Seoul (dpa) - Provozierende Töne: Kurz vor einer geplanten Abstimmung über neue Sanktionen gegen Nordkorea im UN-Sicherheitsrat hat das isolierte Land mit einem atomaren Erstschlag gegen die USA gedroht.

Das Außenministerium in Pjöngjang unterstellte der Supermacht erneut, zusammen mit dem Bündnispartner Südkorea einen Atomkrieg anzetteln zu wollen.

«Weil die USA einen Atomkrieg entfachen wollen, werden wir unser Recht auf einen nuklearen Präventivschlag gegen das Hauptquartier der Aggressoren wahrnehmen», wurde ein Sprecher von den Staatsmedien des kommunistischen Landes zitiert. Ein konkreteres Ziel wurde nicht genannt.

Das Regime in Pjöngjang fühlt sich nach Ansicht von Beobachtern vom erfolgreichen Start einer Weltraumrakete im Dezember und einem dritten Atomtest im Februar zu immer stärkeren Drohungen ermutigt. Das Land verfüge jedoch nicht über die Kapazitäten für einen direkten Atomangriff auf die USA. Doch befürchtet Südkorea, dass sich Nordkorea zu anderen militärischen Provokationen auf der koreanischen Halbinsel hinreißen lassen könnte. Der Atomtest hatte wie der Raketenstart weltweit Empörung und Kritik ausgelöst.

Es wurde erwartet, dass das höchste UN-Gremium noch am Donnerstag in New York scharfe Sanktionen gegen Nordkorea wegen des Atomtests beschließen würde. Die Annahme gilt als sicher, da sich China mit den USA bereits auf die Eckpunkte einer neuen Nordkorea-Resolution geeinigt hatte. Vorgesehen sind neuerliche Reiseverbote und Kontensperrungen; die Sanktionen sollen erstmals aber auch den diplomatischen Apparat des Regimes treffen.

Nordkoreas Armeeführung hatte bereits am Dienstag offen den USA mit «atomaren Präzisionsschlägen» gedroht. Zuvor hatte Nordkorea dem Nachbarland Südkorea Vernichtung angedroht. Das Außenministerium in Pjöngjang rief jetzt außerdem die Ankündigung der Volksarmee in Erinnerung, das seit 60 Jahren bestehende Waffenstillstandsabkommen für ungültig zu erklären, mit dem der Korea-Krieg (1950-53) faktisch beendet wurde. Ein Friedensvertrag wurde bis heute nicht geschlossen.

Nordkorea begründete die Drohungen mit den geplanten UN-Sanktionen und dem gemeinsamen jährlichen Frühlingsmanöver der Streitkräfte der USA und Südkoreas. Die Übungen unter dem Namen «Foal Eagle» hatten am 1. März begonnen und dauern zwei Monate. Die beiden Länder bestreiten den Vorwurf Nordkoreas, dass ein Angriff vorbereitet werde.

Nordkorea bereitet nach Einschätzung Südkoreas selber ein massives landesweites Militärmanöver in diesem Monat vor. Seoul befürchtet, dass es dabei auch zu Provokationen gegen Südkorea kommen könnte. Die Alarmbereitschaft der eigenen Truppen sei erhöht worden, sagte ein Sprecher des Verteidigungsministeriums in Seoul am Donnerstag. Nordkorea veranstalte bereits eine Reihe «kleinerer» Truppenübungen zu Wasser, Luft und Land.

Südkoreas Militär schließt nicht aus, dass Nordkoreas Volksarmee auch Kurzstreckenraketen während des Manövers abfeuern könnte, um Stärke zu demonstrieren. Nordkorea hatte bereits wiederholt angedeutet, weitere Tests von Langstreckenraketen und atomaren Sprengsätzen zu planen.