Stuttgart (dpa) - Ein bisschen wirkten die geschockten Stuttgarter Fußballprofis wie Schulbuben nach einer komplett verhagelten Klassenarbeit. Und Trainer Bruno Labbadia sprach nach der bitteren Lektion gegen Lazio Rom nicht von ungefähr von «Lehrgeld, das muss man akzeptieren».

Verantwortliche und Spieler des stellenweise vorgeführten Bundesligisten wiesen nach der 0:2 (0:1)-Pleite im Achtelfinalhinspiel der Europa League gegen den Tabellenfünften der Serie A unisono auf die entscheidenden Unterschiede hin.

«Man hat gesehen, was Abgezocktheit und Erfahrung ausmachen: Lazio hat gleich aus der ersten Chance ein Tor gemacht», stellte Labbadia fest. «Je weiter es international geht, umso dünner wird die Luft. Das müssen wir akzeptieren.» Auch Sportdirektor Fredi Bobic sprach von einer «unheimlich erfahrenen und abgezockten Truppe.» Dem hatten die biederen Schwaben außer Kampfgeist nichts entgegenzusetzen.

Aber nicht nur Disziplin, Ordnung und Kaltschnäuzigkeit in den entscheidenden Situationen gaben den Ausschlag zugunsten der Römer. Wie so oft in dieser Saison erleichterte der VfB dem Gegner das Toreschießen durch blöde Patzer. «Die haben unsere Fehler gnadenlos ausgenützt», konstatierte Bobic sichtlich angefressen. Erst profitierte Ederson von William Kvists Stümperei (21. Minute). Dann ließ Ogenyi Onazi bei seinem bestechenden Solo zum 2:0 die Stuttgarter wie Slalomstangen stehen (56.).

«Wir hatten nicht die Effektivität wie Lazio. Und es hat uns auch die Cleverness gefehlt», räumte Mittelfeldmann Christian Gentner ein. Torhüter Sven Ulreich urteilte: «Lazio spielte sehr clever und abgezockt. Die haben uns ausgekontert.» Zudem nutzte der VfB - wie zuletzt häufig - seine durchaus guten Chancen nicht. Allein Shinji Okazaki vergab dreimal in aussichtsreicher Position.

Nüchtern betrachtet stehen Stuttgarts Chancen auf den Einzug ins Viertelfinale gleich null. Auch wenn der schmerzlich vermisste Torjäger Vedad Ibisevic am kommenden Donnerstag beim Geisterspiel im Stadio Olimpico nach seiner Gelb-Sperre wieder auflaufen darf, scheinen drei Treffer gegen dieses extrem abwehrstarke Top-Team unrealistisch. Zumal Lazio auch ohne den weiterhin verletzt fehlenden Miroslav Klose über enorme Qualität in der Offensive verfügt.

Trotz der tristen Ausgangslage glimmt bei den Stuttgartern ein Fünkchen Hoffnung. «Das Rückspiel wird nicht leicht. Aber im Fußball ist alles möglich», sagte Ulreich. Bobic wies auf Auswärtserfolge in der Gruppenphase hin, die «keiner erwartet» habe. Labbadia sprach ebenfalls pflichtgemäß die Möglichkeit des Weiterkommens an, räumte aber zugleich illusionslos ein: «Machen wir uns nichts vor, das wird schwierig.» Die Chancen betrügen «ein paar Prozent».

Die Stuttgarter hoffen, dass die Niederlage keine negativen Auswirkungen auf ihr Heimspiel gegen den Hamburger SV am Sonntag hat. Kvist scheint sich da nicht so sicher zu sein: «Hoffentlich sieht man gegen den HSV einen anderen VfB.» Flügelflitzer Ibrahima Traoré betonte die Bedeutung dieser Partie: «Das Spiel gegen den HSV zählt mehr als gegen Lazio.»

Alexandru Maxim kann dabei nicht helfen. Der rumänische Nationalspieler war bei seinem Debüt in der Startelf der auffälligste VfB-Akteur, musste aber nach einem Luftduell ausgewechselt werden. Maxim erlitt bei dem rüden Foul eine Gehirnerschütterung und einen Nasenbeinbruch und muss operiert werden. «Das tut mir leid», sagte Bobic. «Der Junge hat richtig frisch gespielt und Qualitäten.»