Berlin (dpa) - Es war wohl eine ganz neue Erfahrung für Popstar Justin Bieber (19), als er die Bühne in London betrat. Statt des üblichen Kreischalarms gab es am Montag Buhrufe von den meist jungen, weiblichen Fans. Der kanadische Teeniestar hatte sie einfach zwei Stunden lang warten lassen.

Inzwischen sind die «Beliebers», wie der Musiker seine Fans nennt, wieder milder gestimmt - denn der 19-Jährige musste während seines London-Konzerts am Donnerstag hinter der Bühne medizinisch behandelt werden. Er hatte laut seines Managers Probleme beim Atmen. Dass er das Konzert, offenbar gegen den Rat der Ärzte, dann noch zu Ende brachte, hat viele Fans begeistert.

Andere wittern allerdings ein Ablenkungsmanöver: «Justin Bieber war nicht krank. Das ist ein Werbetrick, um den Ärger über seine verspätete Show auszugleichen», schrieb etwa einer bei Twitter. Der Vorfall zeigt: Nicht alle «Beliebers» glauben mehr an das einstige Saubermann-Image des Popstars.

Drogengerüchte, lange Partynächte, der Rauswurf aus einem Londoner Club: Mit seiner Musik macht der Popstar mittlerweile kaum noch von sich reden. Die ganze Welt bekommt mit, wie ein Mädchenschwarm mit Bambi-Augen und Zahnpasta-Lächeln erwachsen wird. Und schon sind die Bilder von ehemaligen Teeniestars wie Macaulay Culkin und Britney Spears im Kopf, denen der frühe Ruhm fast zum Verhängnis wurde. Droht Justin Bieber nun der gleiche Absturz?

Der Popstar wird nicht müde, sich zu verteidigen. Nach den jüngsten Eskapaden in London, wo er unter anderem oben ohne durch die Straßen ging, wehrte sich Bieber bei Twitter: «Solange meine Familie, Freunde und Fans hinter mir stehen, könnt ihr sagen, was ihr wollt. Aber ich bin ein guter Mensch. Ich weiß das. Ihr könnt mir nichts anderes erzählen.» Dass die Boulevardpresse den Teeniestar auf Schritt und Tritt verfolgt, ihm Fehlverhalten und Affären nachsagt und gerne übertreibt, ist die eine Sache. Bieber trägt mit seinem Verhalten dazu bei, dass Beobachter von einem Imagewandel reden: vom Mädchenschwarm zum Bad Boy.

Als Justin Bieber 2008 eher zufällig im Internet entdeckt wurde, war er ein 14-jähriger Schüler aus der kanadischen Provinz, der als Straßenmusikant Geld für seine alleinerziehende Mutter sammelte. Doch die Musikindustrie um Biebers Mentor Usher machte sich schnell daran, den «Rohdiamanten» zu schleifen: Plattendeals, ausverkaufte Konzerte, Nummer-1-Alben. Der Teenager wurde innerhalb kürzester Zeit zum Weltstar - und verdiente im vergangenen Jahr laut Wirtschaftsmagazin «Forbes» umgerechnet 42 Millionen Euro. Das alleine würde sicher schon reichen, um die Bodenhaftung zu verlieren. Hinzu kommen nach Ansicht von US-Medien zwielichtige Freunde.

Allüren-Anflüge wie bei der Grammy-Verleihung verfestigen das neue Image. Dort war Bieber über seine Nicht-Nominierung so erbost, dass er sich weigerte, bei der Veranstaltung im Publikum zu sitzen. Stattdessen rief er seine Fans zu einer Protestaktion im Internet auf. Am Set zur Krimiserie «CSI» beschwerte sich die Crew über Biebers Arroganz, woraufhin sich sein Manager einschaltete: «Er benimmt sich nicht wie ein Idiot, weil er berühmt ist. Er benimmt sich wie ein Idiot, weil er noch ein Kind ist.»

Genau das ist Biebers Problem: Er wurde zu schnell erwachsen und ins Haifischbecken Musikindustrie geworfen. Dort versucht er sich jetzt freizuschwimmen, scheinbar ohne festen Anker. So hat ihn beispielsweise seine Freundin Selena Gomez verlassen. Die Fans hoffen, dass ihr Idol endlich wieder positive Schlagzeilen macht. Die Chance dazu hat Justin Bieber auch in Deutschland, wenn er vom 26. März an in Stuttgart, München, Berlin, Hamburg, Frankfurt, Dortmund und Köln auftritt - im Idealfall pünktlich und mit ausreichend Puste.

Video vom Konzert in London