Heerenveen (dpa) - Zehn Tage vor der WM in Sotschi fliegen im deutschen Eisschnelllauf-Team die Fetzen. Nach den Attacken von Claudia Pechstein auf Teamgefährtin Stephanie Beckert hat das Management der Olympiasiegerin aus Erfurt sofortige Konsequenzen angekündigt.

«Nach dem, was in Heerenveen vorgefallen ist, sehe ich im Moment keine Chance, dass Stephanie bei der Teamverfolgung der WM in Sotschi mit Frau Pechstein auf dem Eis steht», erklärte Jochen Habermaier von Beckerts Vermarktungsfirma der Nachrichtenagentur dpa.

Nach dem Teamrennen beim Weltcupfinale hatte Pechstein der Teamgefährtin «Arbeitsverweigerung» vorgeworfen und dies auf ihrer Facebook-Seite bekräftigt. Beckert wollte diese Äußerungen nicht kommentieren und ließ ihr Management sprechen. «Wir fordern vom Verband eine klare Stellungnahme pro Beckert. Die Aussagen entlarven den Charakter von Frau Pechstein. Ihre Äußerungen widersprechen Fairplay und Respekt innerhalb einer Mannschaft. Dieses Recht hat Pechstein nicht», kritisierte Habermaier und fügte hinzu: «In jeder anderen Mannschaft wären solche Aussagen sanktioniert worden. Wir werden über diesen Vorfall nicht so einfach hinweggehen.»

Cheftrainer Markus Eicher und Teamchef Helge Jasch kündigten an, das Problem «intern» aus der Welt schaffen zu wollen. Hingegen fand Sprint-Bundestrainer Thomas Schubert deutliche Worte: «Da muss jetzt Tacheles geredet werden.» Bei Teamgefährten sorgte der Zoff für Unverständnis. So meinte Monique Angermüller, man hätte zu einem solchen Konflikt nicht auf Facebook Stellung nehmen sollen.

Hingegen wollte Gerd Heinze, der Präsident der Deutschen Eisschnelllauf-Gemeinschaft, am Sonntag kein Machtwort sprechen und äußerte sogar gewisses Verständnis für Pechstein. «Das alles hat ja eine Vorgeschichte. Und Claudia hat nun mal einen professionellen Anspruch, der zu emotionalen Ausbrüchen geführt hat. Aber sie hätte das diplomatischer machen müssen», räumte Heinze ein. «Ich denke, Stephanie sieht das selbst alles nicht so verbissen. Sie sind erwachsene Frauen und sollten den Streit jetzt beenden und sich allein auf die WM fokussieren», forderte Heinze.

Auch nach ihrem vierten Platz über 3000 Meter, mit dem Pechstein Beckert vom zweiten Rang der Weltcupwertung auf den langen Strecken verdrängte und 10 000 Dollar kassierte, hielt die Berlinerin an ihrer Kritik fest. «Ich bin mit dem gesamten Auftritt von Steffi nicht zufrieden», sagte die 41-Jährige am Samstag im ZDF und fügte überraschend hinzu: «Ich brauche den Zoff nicht, ich habe den Zoff nicht gemacht.»

Pechstein kritisierte damit, dass Beckert im Vorfeld kein gemeinsames Training mit dem Team bestritt. Schon zu den erfolgreichen Zeiten von Eisschnelllauf-Star Anni Friesinger, die von der selben Agentur wie Beckert betreut wird, hatte es ständig Knatsch zwischen den Damen gegeben.

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