München (dpa) - Topfavorit Barcelona oder ein deutsches Duell gegen Dortmund drohen im Viertelfinale, auch ein gutes Los à la Malaga ist möglich. Einen erklärten Wunschgegner gibt es für beim FC Bayern nicht. Für Uli Hoeneß ist nur klar: Spielt das Team wie zuletzt, schlägt man keinen.

Der Systemausfall trieb den Blutdruck von Uli Hoeneß in die Höhe. Mit zusammengekniffenen Lippen und grimmiger Miene grantelte der Präsident des FC Bayern nach dem erzitterten Viertelfinalplatz. «Der Trend ist your friend - und wir spielen seit drei Wochen schönen Dreck», schimpfte Hoeneß nach dem 0:2 des Fußball-Rekordmeisters gegen den FC Arsenal. Über einen Wunschgegner für die Auslosung der nächsten Runde am Freitag mochte der aufgebrachte Vereinspatron nach dem «letzten Warnschuss» schon gar nicht reden.

«Mir ist es völlig Wurst. Wenn wir gut spielen, können wir jeden schlagen. Wenn wir so wie heute spielen, gewinnen wir gegen keinen», betonte Hoeneß. Und ein Titelaspirant sind die Münchner, die nur dank des 3:1 im Hinspiel weiterkamen, in der Verfassung vom Mittwochabend schon gar nicht. «Sie können unmöglich so weiterspielen, sonst sind sie in der nächsten Runde draußen», warnte Ehrenpräsident Franz Beckenbauer. «Sie müssen aus der Situation lernen.»

Topfavorit FC Barcelona oder der bayerische Spaßverderber der vergangenen zwei Spielzeiten, Borussia Dortmund, drohen als Kontrahent im Viertelfinale am 2./3. und 9./10. April. «Lieber einen anderen Gegner», betonte Philipp Lahm mit Blick auf die anstehende Auslosung in Nyon. Der Kapitän muss mit dem Team nun die Lehren aus einem Spiel ziehen, in dem für den Bald-Meister die gesamte Saisonbewertung auf der Kippe stand. «Es ist ganz gut jetzt, dass wir mal wieder einen Dämpfer haben in unserer heiteren Sonnenscheinwelt», erklärte auch Thomas Müller nach der ersten Niederlage seit 23 Spielen und der ersten Partie ohne eigenen Treffer seit dem April 2012.

Angeführt von einem in typischer Manier mahnenden Hoeneß, der vor zwei Wochen nach dem Pokal-Erfolg über den BVB selbst noch über die rosarote Bayern-Welt geschwärmt hatte, ging keiner nach dem letztlich folgenlosen Betriebsunfall zur Tagesordnung über. «Man hat gesehen, dass die Champions League etwas ganz Anderes ist. Es war ein Denkanstoß für uns alle», räumte auch Trainer Jupp Heynckes ein. «Das soll uns eine Lehre sein für die nächste Runde.» Dann dürften auch der verletzt fehlende Franck Ribéry und der gegen die Londoner gesperrte Bastian Schweinsteiger wieder dabei sein. Ohne Ribéry fehlte der Spielwitz in der Offensive - und Bastian Schweinsteiger wurde als das wohl wichtigste Teilstück in der Bayern-Maschinerie vermisst.

«Es hat ein bisschen Struktur bei uns gefehlt heute», sagte auch Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge zum Fehlen des Mittelfeldchefs. Gerade in der Königsklasse, in der der FCB in acht Spielen mit zehn Gegentreffern genauso oft vom Gegner überwunden wurde wie in seinen 25 Bundesliga-Partien, wird ein solcher Regisseur gebraucht. «Man hat gesehen, das ist eine hohe Qualität, die in der Champions League auf einen wartet und das wird in der nächsten Runde nochmal schwerer», erklärte Rummenigge. In dieser nächsten Runde fehlt der gelb-gesperrte Javi Martínez im Hinspiel, Lahm müsste nach der nächsten Verwarnung eine Partie aussetzen.

Die Niederlage gegen die Londoner war für die Münchner aber nicht nur ärgerlich. Sie kann im weiteren Verlauf der Spielzeit helfen. «Vielleicht ist es ein Wake-up-Call, weil wir werden überall gelobt, beste Mannschaft hier, beste Mannschaft da, überragend alles. Aber man sieht, was passieren kann», erklärte Arjen Robben. Bei praktisch jedem Team gibt es ein kniffliges Saisonteilstück, das auf dem Weg zum Erfolg überwunden werden muss.

Bestes Beispiel dafür: Der FC Barcelona, der für Kapitän Lahm nach «einer kurzen Schwächephase» der Topfavorit bleibt. Weitere mögliche Gegner im Viertelfinale sind neben Barça und dem BVB noch Real Madrid, Juventus Turin und Paris St. Germain. Leichter wäre da schon ein Los wie Hamit Altintops Galatasaray Istanbul oder der FC Málaga, für den die Ex-Bayern Roque Santa Cruz und Martin Demichelis auflaufen.

Zum erneuten Wiedersehen mit einem anderen ehemaligen Teamkollegen kam es am Mittwoch nicht. Doch dem verletzt fehlenden Lukas Podolski machte der Auftritt seiner Team-Kollegen Mut, obwohl die Treffer von Olivier Giroud (3. Minute) und Laurent Koscielny (86.) nicht reichten. «Auf dem Sieg können wir für den Rest der Saison aufbauen», meinte der Nationalstürmer. Seine Mannschaft hatte sich immerhin mit erhobenem Haupt aus der Königsklasse verabschiedet. «Wenn man sich für das Viertelfinale qualifizieren möchte, braucht man aber 180 gute Minuten», spielte Trainer Arsene Wenger auf die Hinspielpleite an.

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