Freiburg (dpa) - Der Vorsitzende der katholischen Deutschen Bischofskonferenz, Robert Zollitsch, sieht in der Wahl von Kardinal Jorge Mario Bergoglio (76) aus Argentinien zum neuen Papst ein Zeichen für den Glauben und die Kirche.

Franziskus I. werde trotz seines hohen Alters kraftvoll sein und das Amt ausfüllen, sagte der Freiburger Erzbischof in einem Interview der Nachrichtenagentur dpa. Er werde rund um den Globus nah bei den Gläubigen sein.

Viele Katholiken hatten auf eine Verjüngung gehofft. Ist der neue Papst zu alt für das Amt?

Zollitsch: «Man kann das Alter eines Menschen nicht allein an einer Zahl festmachen. Wenn ich mir den ersten Auftritt des neuen Papstes anschaue und die bisherige Lebensleistung betrachte, dann bin ich zuversichtlich. Franziskus I. wird das Amt kraftvoll, engagiert und mit klarem Blick ausfüllen. Er wird ein Papst sein, der in Demut und mit Bescheidenheit wirken wird. Das wird ihm helfen, die gewaltige Aufgabe zu meistern. Ich habe den Eindruck, dass er sehr genau weiß, was auf ihn zukommt. Und dass er vorbereitet ist.»

Er ist der erste Papst, der nicht aus Europa kommt. Verliert Europa nun an Einfluss?

Zollitsch: «Franziskus I. ist ein Mann, der aufgrund seiner Biografie sehr stark auf Europa schaut, wie viele Menschen in Lateinamerika. Das zeigt mir, dass er offen ist - auch für Europa. Ich denke aber auch, dass sich nun etwas Wesentliches ändert. In dem Moment, in dem er Papst wird, ist seine Herkunft zweitrangig. Denn er weiß, dass er nun für die ganze Weltkirche steht. Das war bisher so, und das wird auch beim neuen Papst sein. Das traue ich ihm zu.»

Kennen Sie den neuen Papst schon?

Zollitsch: «Wir sind uns einmal flüchtig begegnet. Nach seiner Wahl zum Papst habe ich mich natürlich schnell kundig gemacht. Und das, was ich gelesen habe, finde ich sehr spannend. Ich freue mich auf den neuen Papst und die Begegnungen mit ihm. Und ich bin mir sicher, dass es den Katholiken in Deutschland ähnlich geht. Wir haben jetzt einen Papst, der bei den Menschen ist und der bei den Menschen sein will. Und der einen Weg in die Zukunft führt. Für uns Katholiken ist das, rund um den Globus, ein Grund zur großen Freude.»