Bamako (dpa) - Die Bundeswehr wird möglicherweise länger im westafrikanischen Krisenland Mali bleiben als geplant. Verteidigungsminister Thomas de Maizière mahnte bei einem Besuch in Mali zu Geduld bei den internationalen Bemühungen für eine Befriedung des Landes.

«Das ist eine gewaltige Aufgabe, die langen Atem braucht.» Die EU-Ausbildungsmission für Malis desolate Streitkräfte soll nach wochenlangen Vorbereitungen im April anlaufen. Geplant ist bislang ein Zeitraum von 15 Monaten.

De Maizière sagte nach einem Treffen mit Übergangspräsident Dioncounda Traoré in der Hauptstadt Bamako jedoch: «Ob es bei diesen 15 Monaten bleibt, muss man sehen.» Die Bundeswehr beteiligt sich an dem EU-Einsatz in der Kleinstadt Kourikoro nahe Bamako mit etwa 90 Sanitätern und Ausbildern. Die ersten deutschen Soldaten werden dort noch diese Woche erwartet. Bislang gibt es dafür nur ein Bundestags-Mandat von einem Jahr.

In Mali kämpfen französische Truppen seit Januar mit Unterstützung afrikanischer Einheiten gegen islamistische Rebellen, die inzwischen weit zurückgedrängt wurden. Die Bundeswehr leistet mit vier Flugzeugen bereits logistische Unterstützung. Dazu sind im Nachbarland Senegal derzeit etwa 90 deutsche Soldaten stationiert. In Kourikoro will die Bundeswehr vom Wochenende an ein Feldlazarett zur Versorgung von erkrankten und verwundeten Soldaten aufbauen. Mitte April soll dann die Ausbildung von Pionieren beginnen.

De Maizière verwies darauf, dass der Kampf gegen Terroristen auch in eigenem deutschem Interesse liege. «Deutschland ist gut dabei beraten, Mali zu unterstützen.» Ziel der Mission sei es, Malis Streitkräfte in die Lage zu versetzen, selbst für die Sicherheit im eigenen Land zu sorgen. Erforderlich sei dazu aber auch ein «Prozess der politischen Versöhnung». Für Juli sind in Mali Wahlen geplant.

Der Stützpunkt Koulikoro liegt mehr als tausend Kilometer von den gegenwärtigem Kampfgebieten im Norden des Landes entfernt. Befürchtet wird jedoch, dass die insgesamt 550 EU-Soldaten Ziel von Selbstmord-Anschlägen durch Islamisten werden könnten. De Maizière sagte dazu: «Das ist ein Gebiet, was im Moment nicht so unsicher ist wie die Gebiete im Norden. Allerdings müssen wir gewappnet sein. Vorsicht ist die Mutter der Porzellankiste.»

Am Nachmittag wollte sich der Minister in Koulikoro selbst ein Bild von der Lage machen. Geplant ist dort die Ausbildung von etwa 2500 malischen Soldaten. Übergangspräsident Traoré nannte im Gespräch mit de Maizière sogar eine Größenordnung von 4000 Soldaten, die neu rekrutiert werden sollten. Derzeit besteht Malis Armee nach Expertenschätzung aus etwa 5000 Soldaten, die allerdings miserabel ausgestattet sind.

Am Sonntagabend hatte der Minister bereits ein Kontingent der deutschen Mali-Truppen besucht, die im Nachbarland Senegal stationiert sind. Von dort leisten die etwa 90 Bundeswehr-Angehörigen logistische Unterstützung für den internationalen Einsatz. Dazu wurden drei Transall-Transporter sowie ein Airbus A 310, mit dem französische Kampfjets aufgetankt werden können, in den Senegal verlegt.

UN-Resolution 2085 zu Mali

Bundeswehr-«Taschenkarte» zu Mali

Bundesregierung zu Mali

Bundesregierung zu Senegal

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