Tel Aviv (dpa) - Nach der Charme-Offensive von US-Präsident Barack Obama in Israel steht ihm am Donnerstag ein eher ungemütlicher Besuch im Westjordanland bevor. Die Enttäuschung bei den Palästinensern über seinen engen Schulterschluss mit den Israelis ist groß.

Palästinenserpräsident Mahmud Abbas hat sich selbst und der Palästinensischen Autonomiebehörde Stellungnahmen vor dem Kurzbesuch zwar untersagt.

Aber die Menschen auf der Straße machen keinen Hehl aus ihrer Verbitterung: «Er wird uns nichts mitbringen. Vielleicht stürzt er ja auf dem Weg hierher ab», meinte ein Busfahrer in Ramallah sarkastisch. «Wir sind hier, um Obama zu sagen, dass er wegen seiner Unterstützung für Israel nicht willkommen ist», sagte ein Teilnehmer einer Demonstration wenige Tage vor dem Besuch.

Obama selbst beginnt den Tag noch in Jerusalem mit einer Besichtigung der Schriftrollen vom Toten Meer und dem Besuch einer israelischen Hightech-Ausstellung. Erst danach folgt der kurze Abstecher zu den Palästinensern.

Noch in Washington hatte Obama schon unmissverständlich klargestellt, dass er während seiner Nahostreise keinen neuen Friedensplan vorstellen werde. Ihm gehe es darum, zuzuhören, mit den Menschen zu sprechen. Wesentlich wichtiger ist ihm aber das Verhältnis zu Israel sowie die Entschärfung des Atomkonflikts mit dem Iran und ein Ende des Blutvergießens in Syrien.

Bei den Gesprächen in Ramallah wird Obama sein Bekenntnis zur Zwei-Staaten-Lösung als einzigem Weg zu einem dauerhaften Frieden wiederholen. Und zugleich vor einseitigen Schritten der Palästinenser bei den Vereinten Nationen oder dem Ausbau israelischer Siedlungen im Westjordanland warnen. Unwahrscheinlich aber, dass er seine Bemühungen um eine Verbesserung der amerikanisch-israelischen Beziehungen durch Kritik an der Regierung in Jerusalem gleich wieder durchkreuzen wird.

Nach einem Treffen mit Abbas in dessen Amtssitz Mukata stand noch eine Begegnung mit Jugendlichen sowie mit Ministerpräsident Salam Fajad auf dem Terminplan. Auch dabei dürfte es eher kritische Fragen geben. Dann, nach viereinhalb Stunden, steht schon der Rückflug nach Israel an. In Jerusalem will er eine Rede vor Hunderten Studenten und anderen geladenen Gästen halten.

Haaretz

New York Times