Berlin (dpa) - Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich hat erneut eine deutsche Olympia-Bewerbung gefordert.

«Für ein Land, dem es gut geht wie Deutschland, muss es ein Ziel sein, solche weltweit beachteten Spiele auszutragen», sagte der auch für den Sport verantwortliche Minister der Nachrichtenagentur dpa. Die negativen Ergebnisse der Bürgerbegehren in Graubünden und Wien, wo sich die Bevölkerung mit großer Mehrheit gegen eine Olympia-Kandidatur Österreichs ausgesprochen hatten, bereiten ihm keine Sorgen. «Ich werde immer für Olympische Spiele in Deutschland werben. Ich glaube, Olympia ist für ein Land eine gute Möglichkeit, sich in der Welt zu präsentieren.»

Der CSU-Politiker begrüßt die Pläne Münchens, vor einer möglichen zweiten Bewerbung um die Winterspiele 2022 ein Bürgerbegehren durchzuführen. «Eine solche Bürgerbefragung sollte allerdings möglichst frühzeitig erfolgen», so Friedrich. Das Bürgerbegehren ist für den 10. November geplant, wenige Tage vor der Abgabe einer Absichtserklärung und Gebühr ans Internationale Olympische Komitee.

Für 2022 gibt es bislang noch keine offiziellen Bewerber. Krakau, Barcelona, das ukrainische Lwiw, Oslo und das kasachische Almaty haben neben München mehr oder weniger deutlich ihr Interesse an der Gastgeberrolle signalisiert.

Gleichzeitig warnte Friedrich die Sportverbände, die Belastungsspirale für ihre Athleten nicht zu überdrehen. Nach der Veröffentlichung der alarmierenden Ergebnisse einer Sporthilfe-Studie über Dysfunktionen im deutschen Spitzensport stellte auch der CSU-Politiker eine zunehmende Drucksituation fest.

   «Eins ist klar: Auch im Leistungssport nimmt der psychische Druck auf die einzelnen Sportler zu. Das ist unübersehbar», sagte Friedrich. Neben einer effektiven Zusammenarbeit von Leistungssportlern mit Trainern und Betreuern seien vor allem die Verbände gefragt, die steigende Belastung zu regulieren.

   Die Integrität des Sports müsse konsequent verteidigt werden. «Wenn da etwas aufgedeckt wird, darf man die Leine nicht lockerlassen», sagte Friedrich. «In den Bereichen Manipulation und Doping gibt es erhebliches Gefahrenpotenzial, wenngleich ich zum Beispiel das Sportwettenproblem primär in Asien sehe.»

   Bei der Befragung deutscher Top-Athleten gaben 8,7 Prozent an, schon einmal an Absprachen über den Spiel- oder Wettkampfausgang beteiligt gewesen zu sein. 5,9 Prozent der Athleten räumten regelmäßiges Doping ein. 9,3 Prozent leiden unter depressiven Erkrankungen, 11,4 Prozent unter Burn-Out. 9,6 Prozent der Sportler offenbarten Essstörungen.