London (dpa) - Mark Webbers jüngstes Twitter-Bild wirkt wie eine perfekte Lagebeschreibung. So stürmisch wie die See auf dem Foto, das Sebastian Vettels Formel-1-Stallrivale um die Welt schickte, ist es in diesen Tagen auch im Red-Bull-Team.

Der Zoff um Vettels verbotene Überholmanöver von Malaysia stellt den Rennstall für den Rest des Jahres vor eine Zerreißprobe und liefert Webber die Vorlage für einen brisanten Alleingang in seiner wohl letzten Red-Bull-Saison. «Das kann zum Problem werden. Es wird in ihren Köpfen bleiben, und es verschwindet auch nicht», warnte Ex-Weltmeister Jenson Button.

Vettels Not: Webber hat nichts mehr zu verlieren. Passend dazu berichtete die «Bild»-Zeitung, Red Bull habe sich wohl endgültig für eine Trennung vom Australier nach der Saison entschieden. Überraschend wäre das zwar nicht, weil der 36-Jährige ohnehin schon länger nur noch Einjahresverträge bekommt und bereits im Vorjahr vor der Ausmusterung stand. Doch im Moment birgt jede Nachricht zum Red-Bull-Duo Sprengstoff.

Der In-Team-Feind droht für Vettel zum Stolperstein auf dem Weg zum vierten Titel zu werden. Webber hat nun reichlich Argumente, um künftig alle Dienste für den Hessen zu verweigern. Der geklaute Sieg von Sepang hat sich für Vettel längst in eine Niederlage gewandelt. Und Webber tut seinen Teil dazu. Der Routinier spielt die Rolle des Betrogenen perfekt. Er will nicht nur die öffentliche Meinung auf seine Seite ziehen, sondern auch das Team.

Schon in seinen ersten Sätzen auf dem Podium von Malaysia steckte Webber die Frontlinien ab. «Sebastian wird wie immer beschützt werden, so ist das eben», knurrte der Veteran aus Queanbeyan und stempelte seinen Teamgefährten damit umgehend zum verwöhnten Bösewicht. Webber hat sich mühsam über Hinterbänkler-Teams empor gearbeitet und sieht sich als Underdog, dem der Red-Bull-Zögling Vettel im Ernstfall vorgezogen wird.

Seit 2009 fahren die beiden gemeinsam für das Team des Brauseherstellers. Webber ist inzwischen der älteste Pilot im Feld, Vettel der erfolgreichste. Auch deshalb ist der Australier sicher, das er keine faire Chance mehr im internen Duell bekommt. Zudem pflegt er eine Dauerfehde mit dem einflussreichen Red-Bull-Motorsportchef Helmut Marko, dem wohl wichtigsten Vettel-Fürsprecher.

In der entscheidenden Phase des WM-Kampfs bekomme Webber stets «ein wenig Probleme mit dem Druck», urteilte Marko jüngst wenig freundlich - und das im hauseigenen Magazin. «Er hat seine Agenda, auf der stehe ich eben nicht», antwortete Webber genervt. Heile Welt sieht anders aus.

Gefährlich wird es, wenn Vettel und Webber künftig nicht mehr nur nebeneinander, sondern sogar gegeneinander arbeiten. «Anstatt sich um all die anderen Jungs auf der Strecke zu kümmern, müssen sie sich Sorgen machen, was der Teamkollege tut. Hoffentlich hilft uns das», frohlockte McLaren-Fahrer Button bereits.

Die Schlichtung des Streits ist vorläufig schwierig. Webber surft in der Heimat, Vettel testete nach der Rückkehr aus Malaysia allein im Simulator. Vater Alan Webber deutete bereits an, was Vettel bevorsteht. «Es wird eine Weile dauern, sich das Vertrauen und den Respekt wieder zu erwerben», mahnte Webber senior. Bis dahin könnte das Duo Vettel/Webber längst Geschichte sein.

«Bild»-Bericht

Webbers Twitter-Foto