Seoul (dpa) - Nordkorea hat eine zweite Mittelstreckenrakete an die Ostküste des Landes verlegt. Das berichtet die südkoreanische Nachrichtenagentur Yonhap unter Berufung auf das Verteidigungsministerium.

Die beiden Raketen seien auf mobile Abschussrampen installiert und dann versteckt worden. Unklar sei, ob die Raketen für eine Militärübung oder einen Test verlegt worden seien. Sie könnten theoretisch die beiden US-Verbündeten Südkorea und Japan oder die US-Militärbasis auf der Insel Guam im Westpazifik treffen.

Zuvor hatte UN-Generalsekretär Ban Ki Moon Nordkorea im Konflikt mit den USA und Südkorea zu einem Kurswechsel aufgerufen. «Atomwaffen sind kein Spielzeug», betonte der Südkoreaner auf einer Pressekonferenz in Madrid.

Es bestehe die Gefahr, dass der Konflikt auf der koreanischen Halbinsel außer Kontrolle gerate.

«Man hat die Dinge zu weit getrieben», sagte Ban nach einem Treffen mit dem spanischen Ministerpräsidenten Mariano Rajoy. «Ich bin besorgt, denn jeder Kalkulationsfehler und jede Fehleinschätzung können in der jetzigen Lage auf der koreanischen Halbinsel eine Krise auslösen, die äußerst schwerwiegende Folgen hätte.» Nun sollten alle Seiten zur Entspannung der Lage beitragen.

Das kommunistische Regime drohte den USA offiziell mit einem Atomschlag. Allerdings bezweifeln Experten, dass das Land auf Jahre hinaus in der Lage sein wird, US-Festland mit einer Atomrakete zu treffen. Im Konflikt mit Südkorea wich die Führung in Pjöngjang am Donnerstag keinen Millimeter zurück. Die Lage auf der Halbinsel bleibt äußerst angespannt. Die USA bauen als Reaktion auf die fortdauernden Provokationen ein Raketenabwehrsystem auf dem US-Stützpunkt der Pazifikinsel Guam auf.

Angesichts der direkten Drohungen aus Nordkorea rüsten die USA im Pazifik weiter auf. Neben dem mobilen ballistischen Raketenabwehrsystem für die Insel Guam würden die beiden Kriegsschiffe «Decatur» und «McCain» in den West-Pazifik entsandt, sagte Pentagonsprecher George Little. Zuvor hatte die oberste Militärführung in Nordkorea dem Weißen Haus und dem Pentagon mitgeteilt, dass militärische «Operationen ohne jede Rücksicht» bewilligt worden seien.

Die Lage auf der koreanischen Halbinsel gilt seit dem dritten Atomtest in Nordkorea im Februar als äußerst gespannt. Pjöngjang hatte als Reaktion auf die Ausweitung von UN-Sanktionen und südkoreanisch-amerikanische Militärmanöver den Waffenstillstandsvertrag von 1953 gekündigt. Am Samstag rief Pjöngjang den «Kriegszustand» im Verhältnis zu Südkorea aus. Seit den 1950er Jahren befinden sich die Nachbarn formell weiter im Krieg.