Wiesbaden (dpa) - Ein neues rechtes Netzwerk in Gefängnissen hat nach Angaben der hessischen Justiz auch Kontakt zu der mutmaßlichen NSU-Terroristin Beate Zschäpe gesucht.

Ihr Name und die Anschrift in der Justizvollzugsanstalt Köln-Ossendorf standen auf einer Liste, die in der Zelle eines Neonazis im Gefängnis Hünfeld in Hessen gefunden wurde. Das berichtete der hessische Justizminister Jörg-Uwe Hahn (FDP) am Mittwoch in Wiesbaden. Es gab zunächst keine Angaben, ob tatsächlich Post an Zschäpe ging.

Bei dem Neonazi handelt es sich nach Angaben hessischer Behörden um einen mehrfach verurteilten Straftäter aus Kassel. Er gelte als eine, wenn nicht die zentrale Figur des aufgedeckten Netzwerks. Das «Neue Deutschland» hatte den 38-Jährigen bereits Mitte Februar als Initiator des Netzwerks bezeichnet. Zschäpe saß zunächst in Köln-Ossendorf, bevor sie in die Justizvollzugsanstalt München-Stadelheim verlegt wurde, wo sie zurzeit auf ihren am 17. April beginnenden Prozess wartet.

Hahn berichtete, die Justiz sei unter anderem in der Motorradzeitschrift «Bikers News» vom Oktober 2012 auf eine Kleinanzeige gestoßen, die für ein rechtsgerichtete Gefangenenhilfsorganisation warb. Als Gründungsdatum sei der 20. April 2012 genannt worden. Neonazis feiern den 20. April als Geburtstag von Adolf Hitler. Ausdrücklich sei in der Anzeige vor der Postkontrolle in Hünfeld gewarnt worden, sagte Hahn.

Am Dienstag war bekanntgeworden, dass hessische Behörden von den Netzwerk-Plänen rechtsextremer Häftlinge erfahren hatten. Daraufhin wurden Zellen von Verdächtigen durchsucht und Postsendungen überprüft.

Bayerische Behörden haben bislang keine Erkenntnisse darüber, dass sich das Netzwerk auf den Freistaat ausgedehnt und Kontakt zum Umfeld des «Nationalsozialistischen Untergrunds» (NSU) gesucht hat. «Auch in Stadelheim gibt es derzeit keine Erkenntnisse, dass das Netzwerk hier Kontakt knüpft», sagte ein Sprecher des Justizministeriums in München am Mittwoch.

Hahn hatte am Dienstag bestätigt, dass es eine verschlüsselte Kommunikation in der Post von Gefangenen gegeben habe, um Kontakt von hessischen Haftanstalten in Gefängnisse anderer Bundesländer aufzunehmen. Dabei gehe es um Personen, die dem rechtsradikalen Spektrum zugeordnet werden können.

Die «Süddeutsche Zeitung» berichtete, dass in Hessen die Kontrollen bei Gefangenen verschärft wurden. Vollzugsbeamte sollten fortgebildet werden, um rechtsextremistische Umtriebe schneller unterbinden zu können. Rechtsextremisten träten im Vollzug zunächst meist angepasst auf, ihre konspirative Arbeit sei daher nicht leicht zu erkennen.

Der 38-Jährige Häftling aus Hessen soll nach dem Bericht der «Süddeutschen» schon bei früheren NSU-Ermittlungen eine Rolle gespielt haben. Er habe im Dezember 2011 - kurz nach dem Auffliegen der NSU-Terrorzelle - angeboten, «Informationen über diverse Netzwerke» zu beschaffen. Er will 2006 auch die beiden NSU-Terroristen Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt in Kassel getroffen haben. Dem NSU wird zur Last gelegt, im selben Jahr einen türkischstämmigen Mann in Kassel ermordet zu haben. Insgesamt werden der Terrorzelle zehn Morde zur Last gelegt.