Amsterdam/Brüssel (dpa) – Der vor Monaten aufgedeckte, europaweite Betrug mit falsch deklariertem Pferdefleisch ist noch größer als bislang bekannt. Bereits seit mehr als zwei Jahren soll ein Großhändler aus den Niederlanden Pferdefleisch falsch etikettiert und verkauft haben.

Bei ihren Nachforschungen stießen die Behörden laut EU-Kommission auf insgesamt 50 000 Tonnen Fleisch, bei denen die Herkunft unklar ist. «Die niederländischen Behörden haben bestätigt, dass Pferdefleisch mit Rindfleisch vermischt wurde», sagte der Sprecher von Verbraucherschutz-Kommissar Tonio Borg am Donnerstag. Die Niederlande hätten eine «umfassende betrügerische Kette» aufgedeckt. Auch in Deutschland sind mehr als 100 Betriebe von dem nun bekanntgewordenen Fall betroffen.

Es seien praktisch alle Bundesländer tangiert, sagte Bundesverbraucherministerin Ilse Aigner (CSU). Sie schloss nicht aus, dass falsch etikettiertes Fleisch auch in Deutschland bereits gegessen wurde. Der Verzehr solcher Produkte sei aber nicht gesundheitsgefährdend.

Die EU-Kommission rief dennoch dazu auf, die verdächtigen Produkte zu ermitteln und vom Markt zu nehmen. Der Schwindel sei im Rahmen der flächendeckenden Tests aufgefallen, die seit fünf Wochen in der gesamten EU bei Fleischprodukten, die laut Etikett Rindfleisch enthalten, gemacht würden.

Schon vor mehreren Wochen war ein großer Pferdefleisch-Skandal bekanntgeworden. In zahlreichen Tiefkühl-Fertiggerichten, die angeblich nur Rindfleisch enthalten sollten, wurde Pferdefleisch entdeckt. Ermittlungen zeigten, dass die Handelswege weit verzweigt waren und in verschiedene europäische Länder führten.

Laut EU-Kommission ist von dem Großhändler in den Niederlanden zwischen dem 1. Januar 2011 und dem 15. Februar 2013 falsch etikettiertes Fleisch verkauft worden. Der größte Teil der 50 000 Tonnen Fleisch wurde laut den niederländischen Kontrollbehörden vermutlich bereits verzehrt. Doch ein Teil sei auch in Tiefkühlprodukten verarbeitet worden. Der Großhändler habe das Fleisch an rund 500 Betriebe geliefert, darunter 132 Betriebe in den Niederlanden und 370 in 16 EU-Staaten - auch an Deutschland.

Verbraucherverbände, Politik und die Lebensmittelbranche verlangten eine schnelle Aufklärung. Das Vertrauen der Verbraucher sei beschädigt, erklärte ein Sprecher der Lebensmittelindustrie. Alle Händler müssten so schnell wie möglich die Ware aufspüren.

Der verdächtige Unternehmer will nun gerichtliche Schritte gegen die Kontrollbehörde unternehmen. Die Maßnahme sei unbegreiflich, sagte sein Anwalt Frank Peters dem niederländischen Radio. «Das Fleisch kann man normal essen, und es wurde unter Aufsicht der Behörde verkauft.»

Mitteilung der Behörde auf Niederländisch