Amsterdam/Brüssel (dpa) – Im Skandal um rund 50 000 Tonnen falsch deklariertes Fleisch aus den Niederlanden hat die EU-Kommission dazu aufgerufen, die verdächtigen Produkte vom Markt zu nehmen.

Der Sprecher von Verbraucherschutz-Kommissar Tonio Borg sagte: «Die niederländischen Behörden haben bestätigt, dass Pferdefleisch mit Rindfleisch vermischt wurde.» Die Niederlande hätten eine «umfassende betrügerische Kette» rund um eine niederländische Firma aufgedeckt. Den Namen des Betriebs nannte die EU-Kommission nicht. Woher das Fleisch ursprünglich stammte, sei noch ungeklärt.

Laut EU-Kommission ist zwischen dem 1. Januar 2011 und dem 15. Februar 2013 falsch etikettiertes Fleisch gehandelt worden. Der größte Teil der 50 000 Tonnen Fleisch wurde laut den niederländischen Kontrollbehörden vermutlich bereits verzehrt. Doch ein Teil sei auch in Tiefkühlprodukten verarbeitet worden.

Der Großhändler habe das Fleisch an rund 500 Betriebe geliefert, darunter 132 Betriebe in den Niederlanden und 370 in 16 EU-Staaten - auch an Deutschland. Diese Zahlen hätten die Niederlanden an Brüssel gemeldet. Die Länder sollten prüfen, ob noch Produkte mit verarbeitetem Fleisch aus dem betreffenden niederländischen Großbetrieb im Handel seien, teilte die EU-Behörde in Brüssel mit. Falls ja, sollten die Behörden diese bis auf weiteres zurückziehen. Eine entsprechende Warnung sei an alle 27 EU-Staaten gegangen. «Alle nationalen Behörden sind nun informiert», teilte die Behörde mit.

Verbraucherverbände, Politik und die Lebensmittelbranche verlangten eine schnelle Aufklärung. Das Vertrauen der Verbraucher sei beschädigt, erklärte ein Sprecher der Lebensmittelindustrie. Alle Händler müssten so schnell wie möglich die Ware aufspüren.

Da der Großhändler die Herkunft des Fleisches nicht nachweisen konnte, wurden alle Kunden von den niederländischen Kontrollbehörden aufgefordert, die Ware aufzuspüren und wenn möglich zu vernichten. «Wenn man nicht weiß, woher das Fleisch kommt, ist es prinzipiell nicht für den menschlichen Verzehr geeignet», sagte Sprecher Benno Bruggink. Konkrete Hinweise auf Gefahren für Verbraucher gebe es aber nicht.

Der verdächtige Unternehmer will nun gerichtliche Schritte gegen die Kontrollbehörde unternehmen. Die Maßnahme sei unbegreiflich, sagte sein Anwalt Frank Peters dem niederländischen Radio. «Das Fleisch kann man normal essen, und es wurde unter Aufsicht der Behörde verkauft.»