Paris (dpa) - Homosexuelle Paare dürfen in Frankreich künftig heiraten und Kinder adoptieren. Nach der Nationalversammlung bewilligte am Freitag auch der Senat das umstrittene Gleichstellungsgesetz der sozialistischen Regierung.

Kirchenvertreter und Konservative hatten bis zuletzt versucht, es zu stoppen.

Im Homo-Ehe-Artikel heißt es im Kern: «Die Ehe wird geschlossen von zwei Personen unterschiedlichen oder gleichen Geschlechts.» Die zweite Lesung in der Nationalversammlung ist nun reine Formsache.

In Deutschland können gleichgeschlechtliche Paare eine sogenannte eingetragene Lebenspartnerschaft eingehen, die aber rechtlich nicht der Ehe gleichgestellt ist. Schwule und Lesben können zum Beispiel nicht gemeinsam Kinder adoptieren. In bestimmten Fällen hat das Bundesverfassungsgericht aber kürzlich das Adoptionsrecht Homosexueller gestärkt.

Vertreter des französischen Regierungslagers zeigten sich nach der Abstimmung erleichtert. «Das ist ein emotionaler Moment. Wir verteidigen die Familie, auch wenn sie unterschiedliche Gesichter zeigt», sagte die sozialistische Abgeordnete Dominique Bertinotti. Justizministerin Christiane Taubira sagte, das Gesetz habe die Aufgabe, alle Bürger gleich zu behandeln. Sie danke allen, die für das Projekt gestimmt hätten.

Die Homo-Ehe und das Adoptionsrecht für gleichgeschlechtliche Paare gehörten zu den Wahlversprechen von Präsident François Hollande. Die überwiegend katholischen Franzosen stehen allerdings keineswegs geschlossen hinter dem Staatschef und seiner Partei. Nach jüngsten Umfragezahlen ist lediglich eine knappe Mehrheit für die Homo-Ehe (53 Prozent). Das Adoptionsrecht für gleichgeschlechtliche Paare wird sogar mehrheitlich abgelehnt (56 Prozent).

In den vergangenen Wochen und Monaten waren Hunderttausende Menschen gegen das Regierungsprojekt auf die Straße gegangen. Für den 26. Mai ist eine neue Großdemonstration in Paris geplant.

In Deutschland will der rot-grün dominierte Bundesrat die Debatte über die Homo-Ehe vorantreiben. Die Länderkammer hat beschlossen, dazu einen Gesetzentwurf in den Bundestag einzubringen. Ziel ist es, die Ehe für homosexuelle Paare zu öffnen. Im Parlament hat die Initiative jedoch keine Aussicht auf Erfolg. Schwarz-Gelb kann den Vorstoß dort mit der Kanzlermehrheit stoppen.

Informationen zu den Beratungen im Senat und zum Gesetzentwurf, frz.