Seoul (dpa) - US-Außenminister John Kerry ist am Freitag zu Gesprächen über die angespannte Sicherheitslage auf der koreanischen Halbinsel und in Ostasien in Südkorea eingetroffen.

Im Mittelpunkt des Treffens mit seinem südkoreanischen Amtskollegen Yun Byung Se steht der Konflikt um Nordkoreas Raketen- und Atomwaffenprogramm. Seine Ostasien-Reise führt Kerry auch nach China und Japan.

Kerrys Besuch kommt zu einem kritischen Zeitpunkt. Südkorea hat Hinweise darauf, dass Nordkorea in Kürze eine oder zwei Mittelstreckenraketen testen könnte. US-Präsident Barack Obama rief Nordkorea am Donnerstag auf, seine kriegerische Haltung aufzugeben. Die Lage auf der koreanischen Halbinsel gilt seit dem dritten nordkoreanischen Atomtest als extrem angespannt.

In den USA und Südkorea gibt es unterschiedliche Auffassungen über die atomaren Fähigkeiten Nordkoreas. Der US-Militärgeheimdienst geht laut «New York Times» mit ziemlicher Sicherheit davon aus, dass das Regime «derzeit über Atomwaffen verfügt, die von ballistischen Raketen getragen werden können». Südkoreas Verteidigungsministerium ist eher skeptisch. Es sei weiter zu bezweifeln, dass Nordkorea über kleine Atomsprengköpfe verfüge, die sich auf eine Rakete montieren ließen, sagte ein Sprecher des Ministeriums in Seoul.

Unterdessen forderte UN-Generalsekretär Ban Ki Moon in einer direkten Botschaft an Nordkoreas Diktator Kim Jong Un ein Ende der Provokationen. In einem am Donnerstag (Ortszeit) ausgestrahlten Interview des Senders CNN appellierte Ban in seiner Muttersprache Koreanisch an Kim: «Als UN-Generalsekretär und Bürger Koreas bitte ich Sie eindringlich, die provokativen Handlungen der jüngsten Zeit zu beenden und zum Dialog zurückzukehren.» Auf der koreanischen Halbinsel müsse wieder Frieden hergestellt werden.

Kim solle sich außerdem dafür einsetzen, den Lebensstandard der Menschen in seinem Land zu verbessern. «Ich habe durchweg deutlich gemacht, dass ich bereit bin, Nordkorea zu besuchen, sofern mein Besuch hilft und in enger Kooperation mit den betroffenen Parteien, insbesondere der Republik Korea (Südkorea) und den USA stattfindet», sagte der gebürtige Südkoreaner dem Sender nach einem Treffen mit US-Präsident Barack Obama im Weißen Haus.

Er und Obama seien der gleichen Auffassung, sagte Ban. Er sei sicher, dass die Reaktion Obamas auf die momentane Krise «sehr entschieden, aber wohlüberlegt» ausfallen würden. Er habe Obama um eine enge Zusammenarbeit der USA mit Südkorea und China gebeten.