Stuttgart (SID) - Christian Streich lehnte sich auf der Trainerbank zurück und verschränkte die Arme hinter dem Kopf. Dann schimpfte der Trainer des SC Freiburg wie ein Rohrspatz. Minutenlang blieb Streich, dem eine gewisse Kauzigkeit nachgesagt wird, nach dem erneuten 1:2 (0:2) beim VfB Stuttgart noch so sitzen, enttäuscht, frustriert, sauer. Die nächste Schlappe im Kampf um einen Europacup-Platz, vier Tage nach dem Aus im Pokal-Halbfinale an gleicher Stelle, hat den Freiburgern schwer zugesetzt.

"Wir machen das ganz gut, waren absolut auf Augenhöhe, aber Stuttgart macht wieder die Tore", sagte Streich bei Sky dann auch leicht genervt. Danach gab er sich aber ganz sanft: "Wir sind toll wieder aufgestanden nach dem Pokal, das war richtig klasse. Ich mache niemandem einen Vorwurf."

Zwar hielt der Sport-Club trotz der Niederlage Rang fünf, der ja zur Teilnahme an der Europa League berechtigt - der Hamburger SV als Achter aber liegt nur einen Punkt zurück. "Das war keine schöne Woche", sagte der "Sechser" Julian Schuster fast trotzig, "aber wir lassen uns unsere Saison davon bestimmt nicht kaputtmachen."

Beim VfB herrscht Harmonie. Christian Gentner (33.) und Vedad Ibisevic (42.) trafen für die Schwaben, die durch den Einzug ins Pokalfinale ihren Platz im Europapokal sicher haben. Trainer Bruno Labbadia war diesmal auch nicht brummig, sondern er genoss eine Woche, die "perfekter kaum geht". Seine Mannschaft habe "den Bock umgestoßen", sagte Labbadia - dann kündigte er einen freien Montag an. Für Freiburg war ein Tor von Ivan Santini (88.) zu wenig.

Zunächst kam der VfB gefährlich vor das Tor von Oliver Baumann, beispielsweise durch Ibisevic (15.). Fünf Minuten später aber bewahrte Sven Ulreich den Pokalfinalisten mit einer Glanzparade bei einem Schuss vor einem Rückstand.

Labbadia hatte vor 50.600 Zuschauern die identische Anfangsformation aufs Feld geschickt wie im Pokal-Halbfinale. Streich nahm drei Änderungen vor: Oliver Sorg musste auf die Bank, der künftige Frankfurter Jan Rosenthal, Torschütze zum 1:1 am Mittwoch, stand nicht mal im Kader, ebensowenig Daniel Caligiuri.

Makiadi, Karim Guede und Christian Günter waren neu in der Freiburger Mannschaft, anders verlief zunächst auch das Spiel. Der VfB begann nicht so druckvoll wie im Pokal, unter anderem, weil der Sport-Club die Gastgeber früher und entschlossener attackierte.

Nach etwa einer halben Stunde war der erste Elan der Freiburger dahin, Stuttgart im Spiel. Der Führungstreffer entsprang einem Geistesblitz von Martin Harnik, der den Ball gefühlvoll in den Strafraum hob: Dort konnte der durchgestartete Gentner freistehend einköpfen. Den zweiten Treffer leitete Schuster durch einen schlimmen Fehlpass ein - der geistesgegenwärtige Harnik bediente Ibisevic, der Torhüter Baumann umkurvte.

Wie schon im Pokal-Halbfinale fand Freiburg trotz großen Bemühens vor allem von Kruse kein Mittel, den VfB dauerhaft unter Druck zu setzen - auch der Glaube an eine Wende schien zu fehlen. Stuttgart zog sich zurück, stand aber bis auf einige Sorglosigkeiten in der Schlussphase sicher. Ibrahima Traore hätte das 3:0 erzielen können, scheiterte aber am Pfosten, stattdessen wurde es sogar noch mal eng. Nach dem Anschlusstreffer rettete Ulreich mit einer Glanzparade gegen einen Weitschuss von Matthias Ginter (90.).