Washington (dpa) - Hätte das FBI die mutmaßlichen Terrorbrüder von Boston im Blick haben müssen? Der Ältere der beiden wurde 2011 schon einmal überprüft - wegen des Verdachts, ein radikaler Islamist zu sein. Danach verschwand er wieder vom Radar der Bundespolizei.

Das FBI hatte den getöteten Terrorverdächtigen von Boston bereits 2011 als "radikalen Islamisten" im Visier, ohne Hinweise auf terroristische Aktivitäten zu finden. Damals wurde der in den USA lebende Tamerlan Zarnajew auf Wunsch einer ausländischen Regierung überprüft, wie die Bundespolizei kurz nach der Festnahme des jüngeren Bruders mitteilte. Laut einem CNN-Bericht bestätigte die Behörde inzwischen, dass es sich dabei um Russland gehandelt habe.

Das Ersuchen habe sich auf Informationen gestützt, wonach Zarnajew ein Anhänger des radikalen Islams und strenggläubig sei. Von 2010 an habe er sich dramatisch verändert. Er habe Vorbereitungen getroffen, die USA zu verlassen, um sich in Russland nicht näher beschriebenen Untergrundgruppen anzuschließen, hieß es.

Im Januar 2011 hätten zwei FBI-Agenten den jungen Mann und seine Angehörigen verhört. Telefonverbindungen, Internetnutzung, Reisepläne und persönliche Kontakte seien überprüft worden - ohne Verdächtiges zu entdecken. "Das FBI fand keine Hinweise auf terroristische Aktivitäten im Inland oder Ausland", hieß es in der Erklärung. Dies sei auch an Moskau so weitergegeben worden. Das FBI habe damals um weitere Informationen gebeten, aber keine erhalten.

Die Bundespolizei nahm ihre Untersuchungen auch nicht wieder auf, als Zarnajew im Sommer 2012 von einer sechsmonatigen Reise nach Dagestan und Tschetschenien in die USA zurückkehrte, wie Mitarbeiter einräumten. Dafür habe die Rechtsgrundlage gefehlt, nachdem die vorangegangene Befragung keine Anhaltspunkte ergeben hatte.

Nach Darstellung von Zarnajews Vater wollte sein Sohn auf dieser Reise nur seinen russischen Pass erneuern lassen, wie die "New York Times" berichtete. Er habe damals in den USA noch Flüchtlingsstatus gehabt.

Doch nach Recherchen des investigativen Reporternetzwerks "Pro Publica" und der "New York Times" hatte sich Zarnajew nach seiner Rückkehr sichtbar radikalisiert. Demnach stellte er auf der Internetplattform Youtube islamistische Videos ein, ebenso die Predigten eines extremistischen Salafisten aus dem Libanon, der in Australien agiert. Zarnajew habe sich auch Seiten angesehen, auf denen sich Anleitungen zum Bombenbau finden, schrieb "Pro Publica".

FBI-Mitteilung

Artikel Pro Publica

Artikel New York Times