Köln (SID) - Methode sei das nicht. Zumindest nicht mehr. Das versicherte Uli Hoeneß noch im Februar 2012. In einer Zeit, in der alte Zitate von Hoeneß rückwirkend auf ihren Wahrheitsgehalt abgeklopft werden, verdient auch dieses einer besonderen Beobachtung. "Ehrlich, es ist überhaupt nicht unser Interesse, den anderen zu schwächen", hatte Hoeneß vor rund zwei Monaten der Sport Bild gesagt: "Das haben wir früher mal gemacht, aber das kann nur ein Nebenaspekt sein."

Ob Neben- oder Hauptaspekt: Wenn ein Gegner sich aufschwingt, zu einer ernsthaften Konkurrenz zu werfen, haben die Bayern schon seit jeher aufs berühmte Festgeldkonto zurückgegriffen. Sich selbst stärken und den Gegner schwächen, einen besseren Transfer kann es nicht geben. So wie nun bei Mario Götze von Borussia Dortmund, dem deutschen Meister der vergangenen beiden Jahre und aktuellen Champions-League-Halbfinalisten.

Als Urvater jener Bayern-Transfers gilt der von Calle Del'Haye, den die Bayern 1980 - ein Jahr nach Hoeneß' Amtsantritt als Manager - aus Mönchengladbach holten. Für die damalige Rekordsumme von 1,3 Millionen Mark, und das obwohl er überhaupt nicht ins System passte. Manchmal kauften die Münchner einen Spieler auch deshalb, damit die Konkurrenz ihn nicht bekommt. So beim Aachener Jan Schlaudraff, an dem 2007 auch die Bremer interessiert waren. Man müsse eben mal zeigen, das niemand den Bayern das Wasser reichen könne, sagte Hoeneß damals. Und luchste den Bremern auch noch Miroslav Klose ab.

Schon den hanseatischen Angriff in den 90ern hatten sie mit den Abwerbungen von Mario Basler, Andreas Herzog oder sogar Trainer Otto Rehhagel abgeblockt. "König Otto" scheiterte in München, doch Werder erholte sich von seinem Abgang über Jahre hinweg nicht.

Den aufmüpfigen Karlsruhern "klauten" die Bayern in den frühen 90ern Michael Sternkopf, Mehmet Scholl, Oliver Kahn, Thorsten Fink und Oliver Kreuzer. DFB-Pokalsieger VfB Stuttgart musste 1997 Giovane Elber abgeben. 2009 wurde Mario Gomez vom VfB geholt.

Bayer Leverkusen zauberte 2002 einen Sommer und stand sogar im Champions-League-Finale, dann warben die Münchner Michael Ballack und Zé Roberto ab. Bayer stieg im Jahr darauf fast ab und mussten dann aus finanziellen Gründen auch noch Lucio an die Isar transferieren. Schon 1992 hatten sich die Bayern den Leverkusener Jorginho geschnappt.

Gescheitert sind die Bayern mit ihren systematischen Schwächungsversuchen - auf den ersten Blick - übrigens nur einmal, ausgerechnet beim BVB: Mitte der 90er warben sie um Stefan Reuter, Matthias Sammer oder Steffen Freund. Sie alle blieben bei den Westfalen. Und doch hatten die Bayern bei genauerem Hinsehen Erfolg. Denn das Trio pokerte beim BVB sein Gehalt hoch. Der zahlte, um weiter mit dem Branchenprimus mithalten zu können, stand kurz darauf vor dem finanziellen Kollaps und war als Gegner wieder Geschichte.