Aleppo (dpa) - In der syrischen Provinz Aleppo sind zwei Bischöfe entführt worden. Das syrisch-orthodoxe Patriarchat in der Hauptstadt Damaskus habe entsprechende Berichte bestätigt, erklärte der Bundesverband der Aramäer in Deutschland.

Es handelt sich um den syrisch-orthodoxen Erzbischof von Aleppo, Gregorios Yohanna Ibrahim, und seinen griechisch-orthodoxen Amtsbruder Bulos Jasidschi aus derselben Stadt. Der Fahrer der Geistlichen, ein Diakon, sei von den Entführern getötet worden. Die Bischöfe sollen unverletzt geblieben sein.

Der Vorfall habe sich in einem von der Freien Syrischen Armee (FSA) kontrollierten Gebiet ereignet, berichtete der Bundesverband weiter. In Syrien wurde vermutet, dass die beiden Geistlichen von einer Brigade verschleppt wurden, der Ausländer angehören und die von Oppositionellen verdächtigt wird, heimlich mit dem Regime von Präsident Baschar al-Assad zusammenzuarbeiten.

Daniyel Demir, der Vorsitzende des Bundesverbandes der Aramäer in Deutschland, verurteilte die Verschleppung der beiden Geistlichen aufs Schärfste und forderte ihre unverzügliche Freilassung. "Die Entführung dieser beiden hohen Würdenträger trifft die in Syrien noch ausharrenden Christen tief ins Mark und muss der internationalen Staatengemeinschaft ein Warnruf sein", sagte Demir.

Die israelische Armee sieht derweil Beweise für einen Einsatz von Chemiewaffen durch die syrischen Regierungstruppen. "Nach unserem Informationsstand hat das Regime mehrmals tödliche Chemiewaffen eingesetzt, unter anderem auch am 19. März", sagte ein ranghoher Mitarbeiter des Militärgeheimdienstes nach israelischen Medienberichten vom Dienstag. US-Präsident Barack Obama hatte im Vorjahr mit einem Militärschlag gegen Syrien gedroht, sollte das Regime chemische Waffen einsetzen oder deren Einsatz vorbereiten.

Brigadegeneral Itai Brun sagte auf einer Sicherheitskonferenz in Tel Aviv zudem, aufgrund einer Analyse der Bilder von Opfern gehe man von einem Einsatz des Giftgases Sarin gegen Zivilisten aus. Sie hätten stark erweiterte Pupillen und Schaum vor dem Mund gehabt. An jenem 19. März hatte dagegen ein Mediziner in der betroffenen Stadt Aleppo gesagt, es sei kein Giftgas, sondern ein Pestizid als Waffe eingesetzt worden.

Am Montag hatte die EU ihre Sanktionen gegen Syrien gelockert - allerdings nur zugunsten der Opposition gegen Präsident Baschar al-Assad. Die Außenminister der 27 EU-Staaten beschlossen in Luxemburg Ausnahmen vom Ölembargo. Damit soll die Lage der Zivilbevölkerung verbessert und die Koalition der Opposition gestärkt werden. Möglicherweise werden später auch Handels- und Finanzsanktionen mit Ausnahmeklauseln für die Opposition geöffnet.

Künftig ist - zunächst versuchsweise bis 1. Juni - mit Zustimmung dieser Koalition die Einfuhr von Rohöl aus Syrien wieder möglich. Auch Kreditfinanzierungen sind wieder erlaubt. Das Verbot der Lieferung von Hochtechnologie für den Öl- und Gassektor wurde aufgehoben, wenn diese Lieferungen von der syrischen Opposition gebilligt werden.

Über die von Frankreich und Großbritannien gewünschte Erlaubnis zur Lieferung von Waffen wurde noch nicht entschieden.