Berlin (dpa) - Mercedes holt sich beim Angriff auf die Formel-1-Spitze Hilfe bei Robert Kubica. Der vor zwei Jahren schwer verunglückte Rennfahrer wird vom Rennstall als Testpilot im Simulator eingesetzt.

Seine erste Einsätze hat der Pole nach Informationen der "Bild"-Zeitung und der Nachrichtenagentur dpa bereits absolviert. Kubica soll damit anscheinend die beiden Stammpiloten Lewis Hamilton und Nico Rosberg bei der Simulator-Arbeit entlasten und mit seiner Erfahrung aus 76 Formel-1-Rennen zusätzliche Expertise liefern.

Eine offizielle Bestätigung für die Tests von Kubica in der Mercedes-Rennfabrik im englischen Brackley gab es vom schwäbischen Autobauer nicht. Nach drei enttäuschenden Jahren seit der Rückkehr als Werksteam in die Königsklasse hat Mercedes allerdings eine Neuordnung auf allen Ebenen forciert. Rekordweltmeister Michael Schumacher wurde durch Hamilton ersetzt, Motorsportchef Norbert Haug musste seinen Posten für den Österreicher Toto Wolff räumen. Niki Lauda übernahm den Vorsitz des Aufsichtsrats beim Rennstall.

Seit seinem schweren Crash bei der Ronde di Andora im Februar 2011 kämpft Kubica um eine Rückkehr in die Formel 1. Bei einem privaten Rallye-Ausflug war der damalige Renault-Pilot in eine Leitplanke gekracht und hatte sich schwere Verletzungen an Armen und Beinen zugezogen. Er musste mehrfach operiert werden, bis heute muss er mit Einschränkungen leben.

Dennoch kehrte Kubica zurück in den Motorsport. Derzeit fährt er mit Skoda in der Rallye-Europameisterschaft. Mercedes hatte zuletzt den Kontakt zu dem 28-Jährigen intensiviert. Im Winter hatte er für den Autobauer den Rennwagen für das Deutsche Tourenwagen Masters getestet, es kam jedoch zu keinem Vertragsabschluss für ein Stammcockpit in der DTM.

Mercedes rüstet seit dem vergangenen Jahr seinen Simulator in Teamhauptquartier in Brackley auf, um mit den Konkurrenten bei der Entwicklungsarbeit Schritt halten zu können. Bei einigen Piloten ist die Arbeit im Simulator nicht wirklich beliebt, der aktuelle WM-Zweite Kimi Räikkönen verzichtet sogar ganz darauf. Mit der enorm teuren Technik können die Teams ganze Rennen simulieren und spulen virtuell tausende Kilometer ab. Wichtig ist dies vor allem, seitdem in der Formel 1 während der Saison nicht mehr außerhalb der Rennwochenenden auf der Strecke getestet werden darf.