Stuttgart (SID) - Hans-Michael Holczer, Teamchef der ehemaligen Gerolsteiner-Mannschaft, ist auch während seiner zweiten Vernehmung im Betrugsprozess gegen Radprofi Stefan Schumacher bei seiner Aussage geblieben. Von den Dopingpraktiken seines einstigen Schützlings habe er nichts gewusst - und ist deshalb von Schumacher betrogen worden.

Am dritten Verhandlungstag wurde Holczer jedoch zunehmend emotionaler. "Ich bin nicht dafür verantwortlich, dass der nach seiner Sperre nicht wieder bei einem großen Team aufgenommen wurde", sagte Holczer und bezeichnete Schumacher als "fremdgesteuerten Chaoten".

Erneut stellte sich Holczer vor dem Stuttgarter Landgericht als "kompromissloser" Anti-Doping-Kämpfer dar. "Das Thema Doping ist in der Mannschaft relativ offen angesprochen worden. Aus meiner Sicht so, dass es unseren Sport zerstört und es dafür keine Akzeptanz in der Mannschaft gibt", sagte Holczer: "Und es hat von meiner Seite genügend Handlungen gegeben, die das unter Beweis gestellt haben."

Bei seinem Team habe "es diese Möglichkeit, diese Sicherheit für die Fahrer nicht gegeben, zu dopen und zu manipulieren", sagte Holczer: "Man könnte mit dieser Sportart große Gewinne erzielen, aber das Thema Doping ruiniert die Verkaufbarkeit dieses Sports."

Holczer bekräftigte erneut, vor dem Bekanntwerden der Nachweisbarkeit der Epo-Modifikation Cera "niemals" etwas von dem Dopingmittel gehört zu haben. Allein deshalb, so seine Argumentation, könne er nichts von Schumachers Vergehen gewusst haben. Der Radprofi war mit Nachtests der Cera-Einnahme während der Tour de France 2008 überführt worden.

Die Staatsanwaltschaft wirft dem inzwischen geständigen Dopingsünder Schumacher vor, Holczer hintergangen und sich mit seinen Verfehlungen laut Anklageschrift einen "rechtswidrigen Vermögensvorteil" erschlichen zu haben. Es geht um rund 150.000 Euro in den betreffenden Monaten 2008. Schumacher beruft sich darauf, dass Holczer bestens über seine Dopingpraktiken Bescheid wusste und deshalb nicht betrogen worden sein kann.