Berlin (dpa) - Lola ist die begehrteste Frau an diesem Abend. Wohl jeder der geladenen 1800 Gäste aus der deutschen Filmbranche hätte sie gerne: die zierliche, goldene Filmpreis-Trophäe mit dem um den Leib geschlungenen Filmband.

Der Regisseur, Schauspieler und Autor Werner Herzog ("Aguirre, der Zorn Gottes", "Fitzcarraldo") war am Freitagabend in Berlin der Einzige, dem die Schöne schon vor dem Start der Gala zum 63. Deutschen Filmpreis sicher war: Der 70-jährige, in Los Angeles lebende Filmemacher sollte bei der Gala im Friedrichstadt-Palast mit der Lola für sein Lebenswerk geehrt werden.

Die Nominierten mussten beim Gang über den roten Teppich dagegen noch bangen. In der Königskategorie wurde ein Kopf-an-Kopf-Rennen um den Preis für den besten Spielfilm erwartet. Die zwei großen Favoriten waren mit neun Nominierungen Tom Tykwers "Cloud Atlas" und Jan Ole Gersters acht Mal nominierter Berlin-Film "Oh Boy". Chancen auf die Goldene Lola hatte mit sechs Nominierungen aber auch Margarethe von Trottas Filmbiografie "Hannah Arendt".

Spannend sollte es in den Darsteller-Kategorien werden: "Oh Boy"-Titelheld Tom Schilling ging in der Sparte Bester Schauspieler gemeinsam mit Sabin Tambrea ("Ludwig II.") und Edin Hasanovic ("Schuld sind immer die anderen") ins Rennen. Martina Gedeck ("Die Wand"), Barbara Sukowa ("Hannah Arendt") und Birgit Minichmayr ("Gnade") traten in der Kategorie Beste Schauspielerinnen gegeneinander an.

Ungewöhnlich war die Konkurrenz in der Sparte Bester Männlicher Nebendarsteller: Der 71-jährige Michael Gwisdek war für seine Rolle in "Oh Boy" nominiert, sein 29-jähriger Sohn Robert Gwisdek für seine Leistung in "Das Wochenende". Dennoch erschienen beide traut vereint am Roten Teppich.

Ganz entspannt konnten die vielen geladenen Schauspieler, Regisseure, Kameraleute, Autoren, Produzenten, Kostümbildner und Filmkomponisten mit ihren nominierten Kollegen mitfiebern. Gekommen waren Schauspieler wie Ulrich Matthes, Margarita Broich mit Mann Martin Wuttke ("Tatort"), Jürgen Vogel, Christiane Paul, Wolfgang Stumph, Sibel Kekilli und Henry Hübchen. Von den Regisseuren ließen sich Oskar Roehler und Vorjahres-Sieger Andreas Dresen sehen.

Katja Eichinger, Witwe des 2011 verstorbenen Erfolgsproduzenten, kam mit männlicher Begleitung. Jasmin Tabatabai versteckte ihren Babybauch unter einer eleganten weißen Robe. Und Matthias Schweighöfer wurde von den einigen hundert Fans besonders begeistert begrüßt, obwohl er nicht für den Preis nominiert war.

Für Stimmung sollte bei der Gala Marius Müller Westernhagen mit seiner Band sorgen. Für das Anstoßen mit den Gewinnern standen 800 Flaschen Champagner angestoßen, wie die Filmpreis-Veranstalter mitteilten.

Mit rund drei Millionen Euro Preisgeldern ist die Lola die höchst dotierte Auszeichnung für den deutschen Film. Über die Gewinner der Filmpreise entscheiden die 1400 Mitglieder der Deutschen Filmakademie. Die knapp drei Millionen Euro Preisgelder stellt Kulturstaatsminister Bernd Neumann aus seinem Etat zur Verfügung. Im vergangenen Jahr war Andreas Dresens Krebsdrama "Halt auf freier Strecke" zum besten Spielfilm gekürt worden.

Die diesjährige Filmpreis-Gala sollte noch am Freitagabend um 22.15 Uhr zeitversetzt im ZDF ausgestrahlt werden.

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