Berlin (dpa) - Der melancholische Berlin-Film "Oh Boy" ist der große Gewinner des Deutschen Filmpreises. Regisseur Jan Ole Gerster konnte am Freitag mit seinem Kinodebüt gleich sechs Auszeichnungen einheimsen, darunter die Goldene Lola in der Königskategorie für den besten Film.

Der als Favorit ins Rennen gegangene Tom Tyker musste sich mit seinem Mammutwerk "Cloud Atlas" dagegen bescheiden. Die mit den US-Regisseuren Lana und Andy Wachowski realisierte 100-Millionen-Dollar-Produktion holte zwar fünf Auszeichnungen, die allerdings in den deutlich weniger wichtigen Kategorien Schnitt, Kamera, Szenenbild, Kostüm und Maske.

"Oh Boy" bekam neben dem Hauptpreis auch Lolas für Regie, Drehbuch und Musik. Der 31-jährige Tom Schilling ("Crazy") wurde für die Hauptrolle in der Schwarz-Weiß-Produktion ausgezeichnet, Schauspieler Michael Gwisdek (71) holte die Lola als bester Nebendarsteller.

Weitere Auszeichnungen als bester Film gingen in Bronze an Cate Shortlands Nachkriegs-Drama "Lore" sowie in Silber an Margarethe von Trottas Kinobiografie "Hannah Arendt". Barbara Sukowa (63) bekam für die Hauptrolle als deutsch-jüdische Philosophin Arendt ebenfalls eine Lola.

Beste Nebendarstellerin wurde Christine Schorn (69) für ihre Darstellung in der Tragikomödie "Das Leben ist nichts für Feiglinge". Zum besten Kinderfilm wählten die Mitglieder der Filmakademie die Kinogeschichte "Kaddisch für einen Freund" von Leo Khasin. Als bester Dokumentarfilm wurde "More Than Honey" von Markus Imhoof über die weltweit zunehmend bedrohten Bienenvölker ausgezeichnet.

Der 70 Jahre alte Regisseur Werner Herzog ("Aguirre, der Zorn Gottes", "Fitzcarraldo") wurde bei der von Mirjam Weichselbraun moderierten Gala für sein Lebenswerk ausgezeichnet. Der Deutsche Filmpreis ist mit insgesamt fast 3 Millionen Euro Preisgeld die höchstdotierte Kulturauszeichnung des Landes.

Kulturstaatsminister Bernd Neumann (CDU) forderte von ARD und ZDF mehr Unterstützung für den deutschen Film. Der Kinofilm gehöre zur Kultur, die in die Grundversorgungspflicht der öffentlich-rechtlichen Sender falle - und zwar nicht als Sahnehäubchen für die Nachtstunden, sondern als Hefe im Teig, sagte Neumann. Er stellte sich damit hinter eine Resolution der deutschen Filmwirtschaft.

Im vergangenen Jahr war Andreas Dresens Krebsdrama "Halt auf freier Strecke" zum besten Spielfilm gekürt worden.

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