Seoul (dpa) - Der Streit zwischen Süd- und Nordkorea um die Zukunft ihres letzten gemeinsamen Großprojekts spitzt sich zu. Südkoreas Vereinigungsminister Ryoo Kihl Jae kündigte in Seoul an, alle 175 noch verbliebenen Landsleute im stillgelegten Industriepark im nordkoreanischen Kaesong würden zurückgeholt.

Der Schritt sei zum Schutz der betroffenen Südkoreaner unvermeidbar. Es sei nicht zu rechtfertigen, dass Nordkorea die Lieferung von Proviant in der grenznahen Sonderwirtschaftszone ablehne.

Die Ankündigung kam kurz nach der Ablehnung eines Gesprächsangebots Südkoreas durch den Norden. Das kommunistische Regime in Pjöngjang warf Seoul in einer von den Staatsmedien veröffentlichten Erklärung vor, die Lage um den Kaesong-Komplex zu verschärfen. Ein Ultimatum zu setzen und vor ernsten Konsequenzen zu warnen, werde zur "endgültigen Vernichtung" des Südens führen. Südkorea hatte das kommunistische Nachbarland am Donnerstag ultimativ zu Arbeitsgesprächen aufgerufen.

Die Zukunft des Komplexes steht mit dem Abzug der Südkoreaner mehr denn je auf der Kippe. Inmitten der zunehmenden Spannungen wegen des nordkoreanischen Atomwaffenprogramms hatte Pjöngjang Anfang April über 50 000 nordkoreanische Arbeiter von dort abgezogen.