München (dpa) - Nach dem Rücktritt ihres Vorsitzenden Georg Schmid will die bayerische CSU-Landtagsfraktion an diesem Freitag in einer Sondersitzung den Nachfolger oder die Nachfolgerin wählen. Eindeutige Favoritin ist die frühere Sozialministerin Christa Stewens, die die Fraktion dann aber nur bis nach der Landtagswahl im September führen soll.

CSU-Chef und Ministerpräsident Horst Seehofer hat nach Angaben aus Fraktionskreisen seine Zustimmung signalisiert. Schmid war am Donnerstag über die üppig entlohnte Beschäftigung seiner Ehefrau als Büro-Mitarbeiterin gestürzt.

Seehofer hat intern klar gemacht, dass er nach Schmids Rücktritt auf gar keinen Fall auch noch eine Kabinettsumbildung will - schließlich sind es bis zur Wahl nur noch fünf Monate. Der Ministerpräsident wolle eine Übergangslösung, verlautete am Donnerstagabend nach mehreren internen Besprechungen aus der Fraktion. Das würde für Stewens sprechen, die im September nicht wieder für den Landtag kandidiert. Bayerns Finanzminister Markus Söder (CSU), dem in der Vergangenheit immer wieder Ambitionen auf den Posten des Fraktionschefs nachgesagt wurden, wäre damit vorerst aus dem Rennen.

Für Seehofer hat eine Übergangslösung mit Stewens den Charme, dass er sein Personaltableau nach der Landtagswahl völlig neu sortieren kann. Auch für Bundesagrarministerin Ilse Aigner, die im Herbst nach Bayern in den Landtag wechselt, soll es einen Spitzenposten geben.

Schmid war nach immer massiverem Druck auch aus der eigenen Partei am Donnerstag zurückgetreten. Er hatte seine Ehefrau seit 23 Jahren als Mitarbeiterin in seinem Heimatwahlkreis engagiert und aus der Landtags-Kasse bezahlt - zuletzt mit bis zu 5500 Euro im Monat zuzüglich Mehrwertsteuer. Rechtlich war das zulässig, weil Schmid wie 16 weitere CSU-Abgeordnete ein Schlupfloch im Abgeordnetengesetz nutzte. Wegen der Höhe der Gehaltssumme hatte Schmid aber dann schnell und massiv an Rückhalt in der CSU verloren - und auch bei Seehofer persönlich.

Unmittelbar nach der Sondersitzung der Fraktion in München fahren Seehofer und die CSU-Spitzen weiter ins Kloster Andechs. Dort beginnt am Nachmittag eine lange geplante Klausurtagung des Parteivorstands, sie dauert bis Samstag.